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Adventstreffen der Jugendsektion in Deutschland auf dem Hof Wörme

Die Jugend und ihre heilige Pflicht

01/24/2026

Der Einsatz für eine Neuorientierung des gesamten geistigen Lebens sei die heilige Pflicht der jungen Menschen – so formulierte Rudolf Steiner in seinen Jugendansprachen als Aufgabe der Zeit. Auf diesem Weg war er selbst Vorbild und Weiser und wurde so der damaligen Jugend zur Orientierung. 

Mit dem Jugendkurs (GA 217) gibt Rudolf Steiner einen Kurs von 13 Vorträgen explizit für junge Menschen, in denen er die Quellen des Jung-Seins in einer Welt aufsucht, die im „Altwerden erstarrt“ ist. Eine Quelle findet er im mitteleuropäischen Geistesimpuls Goethes, den er selbst als junger Mensch aufgefunden und Zeit seines Lebens auf dem Gebiet des Seelischen und Geistigen erweitert und vertieft hat. Steiner charakterisiert seine Erkenntnis und Lebensart am Ende seines Lebens als eine Reinmenschliche:

„Das Voll- und Reinmenschliche schien mir in allem zu walten, was Goethe schaffend, betrachtend und lebend der Welt gegeben hat.“ (R. Steiner: Grundlinien einer Erkenntnistheorie. Vorrede zur Neuauflage 1924.)

Das Reinmenschliche liegt heute bei vielen jungen Menschen als Gefühlsorientierung für das Soziale offen – kann es auch seinen Weg in das Erkenntnisfeld der Anthroposophie finden? 

Bei dem letzten Treffen auf dem Hof Wörme konnte eine erste Orientierung in dieser Richtung versucht werden.

Niklas Hoyme
 

Ein Bericht zum Adventstreffen – von Sandro Belkania

Ganz der Tradition entsprechend hat auch das diesjährige Adventstreffen der Jugendsektion im alten Schafsstall in Wörme stattgefunden. Etwa dreißig junge Menschen belebten mit Kerzenlicht erleuchtete und vom Kachelofen geheizte Räume. Der sonst abgeschieden im stillen Wald liegende Ort wurde durch Gesänge, Spaziergänge und zahlreiche Gespräche in einen regen Begegnungsort interessierter Menschen umgewandelt.

Inhaltlich ging es darum, verschiedene Zugänge der jungen Menschen zur Anthroposophie erschließbar zu machen. Vor allem wurde aber dazu angeregt, durch die Bewusstwerdung der unterschiedlichen Zugänge eine gemeinsame Mitte zu finden. Das Thema ist aus der Überlegung entstanden, sich mit dem anthroposophischen Jugendimpuls zu beschäftigen, ihn neu zu greifen und für die heutige Jugendsektionsarbeit fruchtbar zu machen.

Am Samstagvormittag wurde das Thema von Niklas Hoyme eröffnet und vertieft. Mit seinem Vortrag über die Entstehungsgeschichte der Jugendsektion hat er uns tiefe Einblicke in das damalige geistige Streben der Jugend gegeben. Ausgehend von verschiedenen Zugängen, die durch die West- und Ostgrenze der anthroposophischen Studentenschaft gekennzeichnet sind, hat Niklas Hoyme uns auf die Möglichkeiten der Mittefindung aufmerksam gemacht. Außerdem hat er durch seine Differenzierung zwischen Fortsetzen und Anknüpfen ein einprägsames Mittel für die Orientierung im geistigen Arbeiten gegeben. Indem wir nämlich aktiv an ehemals gelebte geistige Impulse anknüpften und nicht bloß passiv das Überlieferte fortsetzten, hätten wir die Möglichkeit, geistige Impulse erneuernd aufzugreifen. 

Die im Vortrag angeschnittenen Themen wurden im Plenum und in Gesprächsrunden weiterdiskutiert, sodass sich einige Schwerpunkte herauskristallisierten, die in der Nachmittagseinheit vertieft werden konnten. Zudem bot das Organisationsteam vier Arbeitsgruppen an, die sich mit dem inhaltlichen Hauptthema des Treffens auf unterschiedliche Art und Weise beschäftigten. Es gab zwei Lektüregruppen: In der einen wurde ein Brief von Rudolf Steiner zur Gründung der Jugendsektion (GA 217a) gelesen; die andere Gruppe befasste sich mit dem ersten Vortrag aus dem Pädagogischen Jugendkurs (GA 217). Eine kleine Gesprächsrunde machte den weltjugendhaften Impuls der Anthroposophie zu ihrem Thema. Und schließlich wurde eine Gruppe angeboten, die sich körperlich-bewegend dem Thema annäherte. Der Tag fand am Abend mit dem gemeinsamen Singen und Improvisationstheater seinen Abschluss.

Am Sonntag wurde rückblickend auf das gemeinsam Erarbeitete geschaut und es wurden Zukunftsimpulse gesammelt. In dieser Ausblicksrunde kamen viele neue Initiativen zum Ausdruck; einige Arbeitsgruppen sind bereits am Entstehen. Solche Zukunftsaussichten geben nun guten Grund, hoffnungsvoll in das kommende Jahr zu schauen. 

Aus dem diesjährigen Adventstreffen könnte also insgesamt eine positive Bilanz gezogen werden. Nun lässt sich trotzdem fragen, ob die Jugendsektion mit Treffen wie dem Adventstreffen einen fruchtbaren Boden für die gemeinsame geistige Arbeit bieten kann? Auf dem Treffen hatte ich den Eindruck, dass inhaltliche Auseinandersetzungen vor allem in Kleingruppen fruchtbar werden konnten. Es waren kleine Gesprächsrunden in Pausen oder während der Mittagszeit, die eine inspirierende Wirkung auf mich hatten. Es waren neue Begegnungen, die mich mit Freude erfüllten. Große Gesprächsrunden empfand ich hingegen eher als zäh und träge. 

Vor diesem Hintergrund stellt sich für mich die Frage: Vielleicht ist es der Überlegung wert, den Fokus mehr auf Kleingruppenarbeit jenseits solcher Treffen zu legen? Denn aus freier Initiative entstandene Kleingruppen scheinen mir gut geeignet für die geistige Arbeit zu sein. Andererseits sind solche Treffen wie das Adventstreffen insofern von großer Bedeutung, als dort Raum für Austausch und neue Begegnungen geschaffen wird. Damit die größeren Treffen ihre bedeutungsvolle Rolle nicht verlieren, sollten sie also weiterhin stattfinden, aber so, dass sie wie eine Bühne für Kleingruppenarbeiten werden. Dies soll allerdings nicht dazu führen, dass durch solche Treffen ein linearer Präsentationsraum geschaffen wird. Vielmehr können dabei Inhalte und Arbeitsprozesse, die in Kleingruppen leben, anderweitig vertieft werden.

Schließlich möchte ich einige Worte über die Themenwahl des Adventstreffens verlieren. Als Mitglied des Organisationsteams ist mir etwas spät aufgefallen, wie spezifisch und fremd unser Thema für einen Menschen sein könnte, der keinen anthroposophischen Hintergrund hat. Dies soll allerdings kein Kritikpunkt sein. Denn unser primäres Ziel – und vielleicht generell der Sinn des Adventtreffens – war nicht die Erreichung von Menschen aus nicht anthroposophischen Milieus. Trotzdem scheint mir dieser Punkt doch wichtig zu sein. Wenn wir nämlich von dem geistigen Streben der Jugend sprechen und nicht nur in eigenen Kreisen wirksam werden wollen, dann lässt sich unmöglich von der Jugend sprechen, wenn mit diesem Begriff nur einige Hundert Menschen in Deutschland gemeint sind. Die Jugend in Deutschland umfasst mehr als einige Hundert Menschen; sie ist vielfältig und hat unterschiedliche Themen, Weltanschauungen oder Vorstellungen vom Leben. Sie mag orientierungslos sein oder in seelischen Tiefen auch das wollen, womit wir uns auf dem Adventstreffen beschäftigt haben; wenn wir jedoch nicht imstande sind, unmittelbar aus jenen Themen heraus, die junge Menschen in Deutschland bewegen, geistige Lösungen für Probleme zu finden, können wir nicht in der Welt wirksam werden. 

Aus diesem Grund könnte man künftig bei der Themenwahl mehr daran denken, mit Anthroposophie noch nicht Vertraute anzusprechen. Dieser Vorschlag soll allerdings nicht so verstanden werden, als wollte ich anthroposophische Inhalte zugunsten zeitgenössischer Themen austauschen, um aus dem Anpassungsdrang eine nebulose und lediglich herzenswärmende Geisterkenntnis zu treiben. Vielmehr ist es mein Anliegen, an den Mut zu appellieren, im Wirrwarr und Chaos, die gegenwärtige gesellschaftliche Auseinandersetzungen erzeugen, geistige Wirkungsmächte sachgemäß zu erkennen. Daher möchte ich für mehr zeitgemäßes Weltverständnis im Sinne von Gegenwartsverständnis plädieren. Nicht der negative und kritische Bezug zur Welt und die bloße Vergegenständlichung der gesellschaftlichen Probleme vom besserwissenden Standpunkt aus, sondern lösungsorientiertes Eingreifen in die um uns vorliegenden Weltereignisse, in die wir selber hineingewoben sind, soll m. E. das übergreifende Ziel unserer Arbeit sein. Von der Größe der Herausforderung, die ein solches Eingreifen für uns darstellt, soll nun die Entschlossenheit unserer Willenskräfte abhängig gemacht werden. 

Kurzbiografie: Sandro Belkania hat Biologie, Geschichte und Philosophie in Tbilissi (Georgien) und Jena studiert. Zurzeit promoviert er an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 

 

Im Schafstall

 

Zwischen zeitgemäß und angebracht,

waren viele Lichter angefacht.

Die Runden ganz belebt,

von den verschiedenen Gesprächen durchwebt.

Und mittendrin, der weitend Sinn:

Wie wahren wir den roten Faden?

Wohin können wir die geistige Arbeit tragen?

Was wählen wir für uns – mit Freiheit und Verständnis?

Wo wir uns fokussieren, in Vertiefung konzentrieren –

dürfen wir ergreifen, was sonst nur könnten streifen.

Und wirkt auch manch Debatte,

können wir doch sagen,

was es in sich hatte.

So achte ich den guten Willen,

durchlebte den Advent –

nicht im Stillen.

Und voneinander angefacht,

will sich formen im kommenden Jahr –

was manche Denker bringen dar.

 

von Jonna Louise Besuglowa

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