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Vierzig Jahre Förderung der Waldorflehrerausbildung ‒ die StudienHilfe in der GinkgoStiftung

Eine nicht ganz ernst gemeinte Journalismusregel besagt: „Nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht.“ Kein Wunder also, dass die Medien voll sind mit unerhörten Dingen, die da in der Welt passiert sind oder zumindest passiert sein sollen.

von Christoph von Zastrow | 01/24/2026

Bei all dem kann leicht der Blick verloren gehen für jene Vorgänge und Entwicklungen, die unspektakulär sind, aber entscheidend – etwa dass so viele gute Menschen einfach nur ihre Arbeit machen und oftmals engagiert dabei sind. Das erzeugt keine Schlagzeile, ist jedoch der eigentliche Faktor für eine lebenswerte Gegenwart und für eine bessere Zukunft. Kaum jemand berichtet zum Beispiel darüber, dass (Stand Mai 2025) 91.196 Waldorfschülerinnen und Waldorfschüler täglich zur Schule gingen, um in der Welt zu lernen und zu arbeiten. Oder darüber, dass rund 10.000 Waldorflehrerinnen und Waldorflehrer Tag für Tag einen „guten Job machen“. Dass die Zahl der Waldorfschulen zunimmt und die Schülerzahlen dort stabil bleiben, obwohl die Gesamtzahlen insgesamt sinken. Gute Nachrichten haben keine Lobby.

Ein fortgesetzter Impuls aus den 1980er-Jahren

Die Initiative der StudienHilfe, 1986 unter anderem Namen in München gegründet, wurde in den ersten zwei Jahrzehnten durch eine einzelne idealistische Persönlichkeit, einen Waldorfvater, unter erheblichem Mitteleinsatz finanziert. Aufgebaut und getragen aber hat die Einrichtung von Anfang an Ghiga von Smiechowska (1932–2017), der es auch gelang, immer mehr Unterstützerinnen und Unterstützer zu gewinnen. Dass inzwischen der überwiegende Teil der Förderleistung durch Einzelspenden ermöglicht wird, ist alles andere als selbstverständlich.

Dank kontinuierlicher Unterstützung konnte die StudienHilfe unter dem Dach unterschiedlicher Trägerschaften, darunter bis 2010 der GLS Treuhand e. V. und von da an die GinkgoStiftung, über vier Jahrzehnte hinweg Tausende angehende Lehrerpersönlichkeiten jeweils in Höhe der Studiengebühren fördern – einzeln und in Gruppen, in unterschiedlichen Fächern, stets mit dem Schwerpunkt Waldorfklassenlehrer bzw. -lehrerin.

Ziel des Engagements damals war, mehr Menschen zu ermutigen, sich auf das Abenteuer Waldorflehrerausbildung einzulassen, denn Förderungen gab es in den 1980er-Jahren nur sehr wenige. Im Rückblick kann man von einem großen Erfolg sprechen: Auswertungen zeigen, dass durchschnittlich über 90 % der Geförderten der StudienHilfe innerhalb von zehn Jahren nach Ende der Förderung tatsächlich als Lehrerinnen oder Lehrer tätig waren. Die Förderung hat also eine beachtliche Wirkung.

Aktuell bei der StudienHilfe

Wie erwähnt, liegt der Schwerpunkt der StudienHilfe-Arbeit traditionell auf der Förderung der Ausbildung von Waldorfklassenlehrinnen und -lehrer. Das bleibt auch weiterhin der zentrale Anker. Denn eines gilt unverändert: ohne gute Waldorfklassenlehrende keine guten Waldorfschulen. Selbst im Falle von reinen Fach- bzw. Oberstufenlehrkräften ist die Hilfe gut angelegt, weil die Studierenden nur sehr selten ein einzelnes Fach belegen und dann in der Praxis nicht selten in den Beruf des Klassenlehrers, der Klassenlehrerin regelrecht hineinwachsen.

Dabei ist es interessant zu beobachten, wie sich die Studienlandschaft im Laufe der Zeit verändert. Bei den Bewerbungen und den jährlichen Berichten der Stipendiatinnen und Stipendiaten zeichnet sich jeweils ein verändertes Bild bezüglich der Popularität, aber auch der Nachfrage nach bestimmten Fachrichtungen ab. Aktuell – aber das kann sich jederzeit ändern – erreichen die StudienHilfe vermehrt Bewerbungen von Studierenden, die als Werklehrer:innen und Kunsterzieher:innen arbeiten möchten. Das ist erfreulich, weil diese Fächer einerseits besonders wichtig sind für die Schulen und andererseits händeringend Fachkräfte in diesen Bereichen gesucht werden. Hier trifft Bedarf auf Angebot – eine besonders günstige Situation.

Eine weitere Gruppe verdient besondere Aufmerksamkeit: die Eurythmielehrer:innen. Reine Eurythmiestudiengänge waren bislang – mit wenigen Ausnahmen – bei der StudienHilfe nicht förderfähig. Die Realität hat sich jedoch verändert. Professionelle Bühnenensembles sind selten geworden und auch Heileurythmie findet derzeit überwiegend an Waldorfschulen statt. Damit kommen Eurythmieausbildungen heute vor allem den Waldorfschulen zugute.

Vor diesem Hintergrund hat die StudienHilfe eine neue Linie beschlossen: Da in diesem Bereich die finanzielle Situation vieler Studierender besonders angespannt ist, während gleichzeitig an vielen Waldorfschulen ein spürbarer Mangel an Eurythmielehrenden besteht, öffnet die StudienHilfe künftig ihre Förderung auch für Eurythmiestudierende.

Geld verleihen oder Geld verschenken?

Eine Frage, die uns immer wieder gestellt wird: Warum verleiht die StudienHilfe nur sehr selten Geld und verschenkt es stattdessen? Hintergrund ist ein Wunschtraum vieler: Ehemals geförderte Personen geben etwas zurück an jene, die es aktuell nötiger brauchen. Ein wundersamer Kreislauf für die Zukunft. Das gibt es tatsächlich, und wir nennen es das „Netzwerk Kleeblatt“. Ehemalige spenden monatlich an die StudienHilfe für neue Generationen. Doch dies basiert auf Freiwilligkeit und vermag die Arbeit alleine nicht zu tragen.

Warum also keine Kredite? Weil die Praxis gezeigt hat: Ausbildungsdarlehen werden vor allem von jenen in Anspruch genommen, deren finanzieller Hintergrund eine Rückzahlung überhaupt erst realistisch erscheinen lässt, etwa weil familiäres Vermögen oder Einkommen vorhanden ist oder in Aussicht steht. Kurz: Wer von Beginn an schon nichts hat, nimmt aus einsichtigen Gründen auch keinen Kredit auf und entscheidet sich womöglich gegen ein Studium. Doch wer einen Kredit in Anspruch nimmt, der hätte das Studium wohl auch ohne finanzieren können. Die StudienHilfe steht darum auf dem Standpunkt, dass es nicht darum gehen kann, Geld festzuhalten, sondern darum, die Entstehung von Waldorflehrkräften zu fördern. In ironischer Abwandlung der Helmholtz’schen Energielehre könnte man also sagen: Das Geld – die Materie – verschwindet nicht, es verwandelt nur seine Gestalt und tritt uns in Form von Menschen – Energie – entgegen.

Wie wichtig eine gute Ausbildung ist und dass sie eben Kosten verursacht, braucht kaum erwähnt zu werden. Die gute Nachricht aber ist: Anders als zu Beginn der StudienHilfe gibt es inzwischen eine echte Förderlandschaft, weil die Institute mitunter eigene Fonds bereitstellen und weil die öffentliche Hand inzwischen einsichtiger ist in Sachen freie Schulen. Und doch: Öfter als man glaubt, reicht es eben nicht, gibt es Lücken, dramatische Sonderfälle, erhöhten Bedarf durch persönliche Lebensumstände oder gilt es schlicht, eine junge Familie zu versorgen. Da können selbst Studiengebühren von im Schnitt 200,– Euro kritisch werden. Problematisch wird es auch, wenn bereits eine Berufsausbildung oder ein Studium absolviert wurde und für die Waldorflehrerausbildung schlicht keine Mittel mehr bereitstehen. In all diesen Fällen springt dann nach Kräften die StudienHilfe ein, indem sie die Studiengebühren übernimmt, was indirekt auch den Instituten zugutekommt, die durch höhere Studierendenzahlen natürlich auch effektiver und qualitativ hochwertiger wirtschaften können.

Dass dies gelingen kann, verdankt die StudienHilfe einigen wichtigen Förderinstitutionen, vor allem aber den individuellen Spenderinnen und Spendern, die teilweise bereits seit Jahrzehnten mit regelmäßigen Beiträgen dazu beitragen, das Fundament der Waldorfschulen, die Lehrenden, zu erhalten und sukzessive zu stärken.

Vierzig Jahre – und jetzt?

Der Impuls der StudienHilfe wird im Jahr 2026 also vierzig Jahre alt. Anlass genug, eine Runde lauter zu trommeln als sonst. In einer sich stetig ändernden Öffentlichkeit ist das jedoch eine Herausforderung für sich. Langjährige Spender:innen und Freunde der StudienHilfe kennen den Nachrichtenbrief. Nachdem dieser in den letzten Jahren dünner geworden ist, weil Druck und Versand oder gar Beilagen deutlich teurer geworden sind, wollen wir in diesem Jahr neue Wege beschreiten. Es gibt kein Zurück. Doch der scheinbar logische Weg „vom „Papier zum Digital“ ist nicht so bedenkenlos zu vollziehen, wie man meinen möchte: mehr Internet, nun ja. Aber nicht alle begrüßen die schöne, neue, flüchtige Internetwelt. Es gibt durchaus noch Menschen, die ohne Computer leben, gar ohne Smartphone. Deswegen wird es die Informationen der StudienHilfe auf absehbare Zeit auch auf Papier geben, per Post, per Telefon usw.

Unabhängig vom Medium erscheint es für dieses Jubiläumsjahr essenziell, das ewig währende Problem des Lehrermangels wieder in den Blick zu rücken und ihm unser Anliegen – die Förderung der Waldorflehrenden – entgegenzustellen, wozu dieser Text den Auftakt bilden soll.

Lehrermangel ist ein Problem, das so alt ist wie die Waldorfschulen. Und doch ist es immer weitergegangen, hat sich die Waldorfschulbewegung sogar erheblich verbreitert. Auch deshalb, weil es immer mehr Menschen gibt, die erkennen, wie wichtig eine vom Joch der industriellen Gesellschaft wenigstens teilweise unabhängige Bildung für die Zukunft dieses Planeten ist. Und weil es immer Menschen gab und gibt, die sich, jeder und jede auf eigene Weise, für die Waldorfschulen einsetzen.

In diesem Sinne hier also der unmittelbare Aufruf an Sie: Wer junge Menschen kennt – oder solche, die eine berufliche Neuorientierung anstreben – und auch nur im Leisesten den Eindruck hat, es würde passen, der sollte ihnen den Beruf des Waldorflehrers, der Waldorflehrerin ans Herz legen. Man sagt, es sei der schönste Beruf der Welt.

Wer dabei die Stipendienarbeit unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen, sich an das Büro der StudienHilfe zu wenden. Und damit kehre ich wieder zum Anfang zurück: Vielleicht haben gute Nachrichten doch eine Lobby – nämlich Sie …

(Dieser Text stellt die erweiterte Fassung eines Briefes an die Spender:innen und Freund:innen der StudienHilfe dar, der im Dezember 2025 erschienen ist.)
 

StudienHilfe in der GinkgoStiftung
Christoph von Zastrow, Vorstand
Staudacher Str. 6
D-83250 Marquartstein
Telefon +49-(0)8641-63336
studienhilfenoSpam@t-online.de
www.ginkgostiftung.org
 

Spendenkonto
Kontoinhaber: GinkgoStiftung
Zweck: StudienHilfe
GLS Gemeinschaftsbank eG
IBAN DE83 4306 0967 7005 5728 03
BIC GENODEM1GLS

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