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Erinnerungen an Michael Schmock

Vor einigen Tagen ist Michael Schmock verstorben. Nicht zuletzt als Generalsekretär der AGiD war er mit vielen Menschen verbunden. Es erinnern sich: Nele Auschra, Nana Göbel, Carl Hartmann, Sebastian Knust, Dirk Kruse, Andreas Neider, Matthias Niedermann, Magdalena Ries, Angelika Sandtmann, Hartwig Schiller, Philip Stoll, Alexander Thiersch, Philipp Tok, Jonas von der Gathen.

von Versch. Autoren | 02/20/2026
Michael Schmock

Sebastian Knust | In Prozessen denken

Michael traf ich in Stuttgart meistens vor der Türe des Steiner-Hauses an: Mit Kaffeetasse und Zigarette ausgerüstet, war er immer ansprechbar, um wahlweise den letzten Sitzungsabschnitt zu reflektieren oder eigene Projekte, Ideen und Fragen zu bewegen. Immer hatte er ein offenes Ohr – gerade auch für mich als jungen Menschen, der vor einigen Jahren seinen Einstieg ins Berufsleben gleich mit der Arbeit für den Anthroposophischen Bildungsimpuls verband. 
Ganz besonders schätzte ich an Michael zwei Eigenschaften: einerseits sein breites Tätigkeitsfeld, das sich über soziales Engagement und Jugendarbeit bis hin zur Vernetzung spirituell tätiger Menschen in den Bereichen Karmaforschung oder übersinnliche Wahrnehmung erstreckte. Charakteristisch war dabei, dass er sich nirgendwo mit der Erhaltung des Status quo zufriedengab, sondern die Zusammenhänge weiterentwickelte. Zum anderen hatte er eine außergewöhnliche Begabung, in Prozessen zu denken und andere Menschen in diese mit einzubeziehen, sodass ein produktiver Ermöglichungsraum entstand. Davon konnte ich persönlich, aber auch viele andere, meist jüngere Menschen und nicht zuletzt die anthroposophische Bewegung viele Jahre enorm profitieren. Zusammenfassend darf ich sagen: Michael war der Grund, warum in nun heute täglich meine Kraft in die Anthroposophische Gesellschaft gebe.

Sebastian Knust | geb. 1982, Architekt, arbeitet in der Geschäftsleitung und Kommunikation der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland.


Matthias Niedermann | Sternstunden teilen

Der sportliche Kombi brettert über eine der zahlreichen deutschen Autobahnen, irgendwo zwischen Hamburg, Kassel und Bochum. „Ich bin halt eher Projekt-Mensch!“, beendet Michael Schmock seine Ausführung. Er sitzt am Steuer. Sein wacher Blick schweift kurz in die innere Ferne, ohne den Fokus auf die Route zu verlieren. Nach einer kurzen Pause zündet er sich eine Zigarette an und fährt fort. Er sei kein anthroposophischer Gelehrter, sondern gehöre eher zu den Projekt-Anthroposophen.

In all den Jahren ist unser gemeinsamer Arbeitsplatz nicht äußerlich zu verorten – in einem Büro, Archiv oder Bibliothek. „Immer unterwegs sein!“ ist die Arbeitsdevise. Ob im Auto, in der Bahn, in den nächtlichen Telefongesprächen oder in den zahlreichen Sitzungen, immer waren die Arbeitsorte Durchgangspunkt eines sozialen Wachstumsprozesses, den er wahrnahm. 

Zugleich waren die Intentionen und die Motive klar umrissen: „Soziale Zukunft – eine Gesellschaft, die wir (wirklich) wollen!“ Diese leuchteten sternartig in Michael Schmocks seelischem Firmament: sowohl für die Kongress-Projekte, die wir gemeinsam mit den anthroposophischen Verbänden in Deutschland vorantrieben, als auch für die Ausgestaltung des gesellschaftlichen Auftrags der Anthroposophischen Gesellschaft. Und immer wieder präsent die geistige Herausforderung: dem Gegenüber ein Du zu werden. 

Für Michael Schmock, so meine Wahrnehmung, gehörten diese Jahre zu seinen biografischen Sternstunden. Innere Motive, die für ihn lebenslang prägend waren und denen er, allen Widerständen zum Trotz, die Treue hielt, erfuhren plötzlich Resonanz. Im Rückblick scheint es mir so, dass diese Resonanz nicht nur auf Michael Schmocks Begabungen als Projekt-Mensch zurückzuführen war. Seine spirituellen Motive trafen in den Jahren auf eine Zeitsituation, die danach fragte. Die projekthafte Umsetzung seiner Motive blieb jedoch schmerzhaft unvollendet. 

Eine Lektion, die man von Michael Schmock lernen konnte und kann, war und ist, dass die Hindernisse, das Scheitern, letztlich das Absterbende nicht das Ende ist. Denn in ihm – im Ende und in Michael – lebte bereits der Zauber des Neuen, eine Initialzündung einer unverhofften Zukunft – hoffentlich einer sozialen, die auf die Initiativkraft der Einzelnen baut. 

Gute Fahrt!

Matthias Niedermann | geb. 1984, arbeitet in der Geschäftsleitung und Kommunikation der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland.


Hartwig Schiller | Ein Arbeiter im Weinstock der Menschlichkeit

Michael Schmock wurde in ein anthroposophisches Lebensumfeld geboren, das mit der Familie und Freunden Erziehung prägende Perspektiven umfasste. Insbesondere waren ihm das pädagogische, landwirtschaftliche und sozialwissenschaftliche Lebensfeld seit seiner Jugend nah und halfen ihm, seine Ideale eines menschlichen, sozialwirklichen Lebensentwurfes zu formen. Dabei wurde eine herausragende praktische Fähigkeit als „Netzwerker“ schon früh sichtbar. Er begann sich in Gemeinschaftsaufgaben zu engagieren, wurde in Verantwortungsgremien berufen und setzte sich für die Entwicklung von Gremien und Arbeitszusammenhängen im Sinne kollegialer Arbeitsformen ein. Wenn in einem dieser Kreise nach künftigen Mitarbeitenden gesucht wurde, konnte Michael Schmock stets Vorschläge aus seinem Bekanntenkreis machen. Im Zuge des Älter-Werdens der Gesellschaft waren ihm ihre Verjüngung und Zukunftsfähigkeit ein besonderes Anliegen. In von ihm begründeten und impulsierten Arbeitskreisen mit jungen Menschen manifestierte sich diese Aufgabenstellung. Aber auch im Einsatz für die so charakteristisch unterschiedlichen regionalen Arbeitszentren wirkte er Zusammenhang fördernd und vermittelnd. Michael Schmock suchte als Zentrum seines Wirkens nicht den Auftritt eines charismatischen Redners als vielmehr den eines Arbeiters im Weinstock der Menschlichkeit, der den dienenden Charakter seiner Tätigkeit über den Respekt als Amtsinhaber stellte.

Hartwig Schiller | geb. 1947, viele Jahre im Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen. Von 2007 bis 2016 war er Generalsekretär der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland (AGiD).


Nana Göbel | Kein Mensch des geschriebenen Wortes

Michael Schmock war kein Mensch des geschriebenen Wortes. Oft nicht einmal der öffentlich vortragenden Rede, er wirkte im Gespräch, in der Ermunterung und mit Beiträgen in Gesprächsrunden. Als junge Frau wartete ich immer darauf, dass er sich einmal mit einem längeren Beitrag zu Wort melden würde, aber das fand nicht statt. Später wartete ich nicht mehr darauf, denn ich wusste, dass ihm das weder ein Anliegen noch ein Bedürfnis war. Stattdessen erlebte ich ihn als Vielredner im Gespräch, als Schweigenden auf dem Traktor zu der Zeit, als er noch die anthroposophische Jugendbildungsstätte in Kotthausen leitete, oder als sich nach innen wundernder Zuhörer, der für alle noch so merkwürdigen Seelenregungen seiner Zeitgenossen oder auch der bei ihm lebenden Menschen ein offenes Ohr hatte. Urteile kamen nicht über seine Lippen, es sei denn bei Urlaubsreisen oder Bergwanderungen. 

Er kannte die Menschen, ihre Möglichkeiten und Abgründe. Und er liebte auf eine sehr spezielle Weise die Anthroposophie. Sie war ihm in die Wiege gelegt. Schon sein Vater Siegfried Schmock, Gründer vieler anthroposophisch-heilpädagogischer Initiativen, war Mitglied im Arbeitskollegium der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland, wie der Vorstand früher hieß. Er erlebte als Schüler die großen Oberstufenlehrer der Wuppertaler und der Bochumer Waldorfschule und bewegte sich in diesem Milieu wie ein Fisch im Wasser. Er hatte größtes Glück im Leben, weil er mit Veronika May sein ganzes Leben lang eine Frau an seiner Seite hatte, die immer einen Ausweg wusste und all das praktische Leben regelte, an dem er nicht immer das lebhafteste Interesse hegte. Ohne Veronika May ist sein Leben, sein Vater-Sein, sein Mitglied-Sein im Vorstand des Arbeitszentrums NRW oder im Vorstand der Landesgesellschaft nicht denkbar. Sie gab ihm Halt und Orientierung, sie setzte seine Visionen mit ihm um und unterstützte ihn vorbehaltlos. 

Von Anfang an interessierte er sich für das Jugendalter wie für einzelne junge Menschen. Ihn interessierte, wie ein junger Mensch an der Bruchkante zum Erwachsenen seine Mission finden und verhindern kann, dass er ins Bürgerliche abdriftet. Bürgerlichkeit war ihm ein Graus. Zu viel jugendliches Gemeinschaftsgetue ebenfalls. Beiden fehlt die innere Zielgerade, an der sich das sich entwickelnde Leben ausrichten kann.

Was ist ihm gelungen, was bleibt von ihm? Alles, was er an äußeren Initiativen aufbaute, verschwand wieder. Äußerlich ist nichts mehr sichtbar. Er hinterließ seine Spuren in den Seelen der Menschen und dort sind sie lebendig; sie sind lebendig im Schicksalsweben einer großen Menschengruppe, die mit einem gemeinsamen Vorhaben auf die Welt gekommen war und sich an diesem Vorhaben die Finger wund rieb. Der Schmerz darüber bleibt, aber auch die Überzeugung, dass die wunden Finger nicht umsonst gelitten haben und dass die Spuren Wege ebneten.

Nana Göbel | geb. 1955, war im Vorstand und Generalsekretärin der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland und ist Mitbegründerin der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners.


Angelika Sandtmann | Landwirt im Sozialen

Noch lebhaft habe ich die Mitgliederversammlung im Juni 2023 in Erinnerung, als Michael und ich aus dem Arbeitskollegium der AGiD verabschiedet wurden und es uns wechselseitig zukam, die Persönlichkeit des anderen zu beschreiben. In den vielen Jahren der Zusammenarbeit habe ich Michael als „Landwirt im Sozialen“ schätzen gelernt. Er hat dafür gesorgt, eine beträchtliche Anzahl an Feldern urbar zu machen, zu pflegen und Menschen dafür zu begeistern, sich auf ihre Weise dabei verantwortlich einzubringen: in der Arbeit mit jungen Menschen, in den verschiedenen Lebensfeldern, in neuen Initiativen in der Hochschularbeit, um nur einiges zu nennen. Er war ein Impulsgeber, Wegbereiter und Mutmacher mit großer Integrationskraft und Vertrauen in andere Menschen. Beeindruckt hat mich seine Beharrlichkeit, auch in schwierigen Situationen und bei Rückschlägen den inneren Leitstern nicht aus den Augen zu verlieren und in verwandelter Form an dem weiterzuarbeiten, was er als wichtig erachtet hat.

Angelika Sandtmann | geb. 1962, ehem. Mitglied im Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland (AGiD), langjährige Mitarbeit in der Redaktion der Zeitschrift „die Drei“, später deren Herausgeberin, arbeitete forschend und geschäftsführend im Friedrich-von-Hardenberg-Institut für Kulturwissenschaften in Heidelberg.


Carl Hartmann | Begegnung ermöglichen

Ich durfte Michael durch sein Anliegen, mit den jungen Menschen zu arbeiten, kennenlernen. Durch seine Unterstützung, die Jugendsektion in Deutschland zu gründen, ist ein Impuls in die Welt getreten, der zum einen an die Frage nach dem „geistigen Streben der Jugend“ anknüpfen kann und zum anderen ein verbindendes Element für Begegnung ermöglicht. Ein gemeinsames Anliegen, mit dem jeder Mensch in Begegnung gehen kann. Darin wirken zu dürfen ist bisher mein größtes Geschenk in meinem jungen Leben. 

Danke für Dein Ermöglichen und Unterstützen, lieber Michael!

Carl Hartmann | Jugendsektion in Deutschland


Magdalena Ries | Großzügigkeit und Vertrauen in die Menschen

Ich kann mich da nur anschließen und möchte mich auch im Rahmen der Jugendsektion in Deutschland ganz herzlich bei Michael Schmock für den Gründungsanstoß und all die Begleitung und Ermöglichung und besonders die Ermutigung bedanken. 
Ich persönlich habe durch Michael sehr viel Unterstützung erhalten und er ist für mich ein Vorbild, was Großzügigkeit und Vertrauen in die Menschen und ihre Impulse angeht.
Ich hatte das Gefühl, er sieht mich als Mensch mit meinen Anliegen und vertraut mir. Durch ihn durfte ich erleben, wie sich Schenkgeld anfühlt und welche Wärme und Zuversicht und Vertrauen in das Geistige entsteht, wenn Geld nicht an Bedingungen geknüpft ist. Dadurch konnte ich erleben, was es heißt, bedingungslos getragen zu werden, weil mir als Individualität vertraut wird und somit auch in meinem Wirken und Wollen. Das ist bis heute ein großes Geschenk für mich in meinem Leben. Danke für diese Erfahrung, Michael!

Magdalena Ries | Jugendsektion in Deutschland


Jonas von der Gathen | Ein Türenoffenhalter, ein Projektpferd

Im Zukunftsdorf SonnErden brennt seit einigen Tagen eine Kerze für Michael. Er hat mich und viele Menschen, die SonnErden verbunden sind, in unseren suchenden und jungen Jahren offenherzig gefördert und herausgefordert. Michael war ein „Türenoffenhalter“ – ein „Projektpferd“ – ein mutiger Michaelit, der die weltanschaulichen Gräben überwinden und die interne Lagerbildung lösen wollte. Er war einer der (wenigen) „Alten“, der die verschlungenen Schicksalswege, die junge Menschen manchmal gehen müssen, erahnen und schätzen konnte. Einer, der mit uns bis spät in die Nacht rauchend die Krisen der Welt bewegte. Einer, der es wagte, der Ungewissheit der Kunst – im Stofflichen wie im Sozialen – zu vertrauen. Einer, der wenig Rat gab, eher fragte, was wir auf der Erde vorhaben. Aber er ermöglichte auch ganz Konkretes: Räume, Rollen, Ressourcen – das Erbe der Vorhergegangenen – an die nächste Inkarnationswelle weitergebend. Im September 2022 war er nochmal für zwei Tage in SonnErden, um mit uns an michaelischen Gemeinschaftsfragen zu arbeiten. Seine Anregung war, dass wir schauen sollten, wo bei uns noch kräftigere Lebensströme wachsen können: Prozesse, die tagtäglich gebraucht werden (Landwirtschaft, Pädagogik, Wirtschaftszweige etc.), weil er meinte, dass es diese sind, die den Ideenmenschen und den sozialen Organismus erden und gesundschleifen. Mögen wir weiterschleifen an den sozialen Skulpturen weltweit. Lieber Michael – eine gesegnete Reise wünsche ich Dir. Und falls Du einen Moment Zeit findest, schick uns gute Kräfte für die Ziele, die wir hier auf (Sonn-)Erden zielvoll gründen wollen[IB1] .

Jonas von der Gathen | Mitgründer & Aufsichtsrat Zukunftsdorf SonnErden


Nele Auschra | Bodenständige Art, Anthroposophie lebendig zu halten

Meine Erinnerung an Michael ist eng mit Bochum verknüpft. Ich erlebte ihn als treibende Kraft beim Kongress Soziale Zukunft 2017 sowie bei den intensiven und thematisch anspruchsvollen Planungstreffen für den Folgekongress, der wegen Corona höchst bedauerlicherweise nicht zustande kam und schließlich abgesagt werden musste. Seine stets nach vorne gerichtete Arbeit und sein Interesse an jungen Menschen inner- und außerhalb unserer Kreise hat mir sehr imponiert, ich habe sehr gerne mit ihm im Rahmen der Allianz der Verbände – auch diese gäbe es ohne Michael nicht – zusammengearbeitet. Dass ich ihn kennengelernt habe, seine zupackende und bodenständige Art, Anthroposophie lebendig zu halten, hat mir die AGiD nahegebracht und mich zur Mitgliedschaft bewegt. Ich danke Michael für viele wertvolle und wirksame Impulse.

Nele Auschra | Vorständin Bund der Freien Waldorfschulen, Vorständin Anthropoi-Bundesverband


Philip Stoll | Ein wichtiger Ermöglicher für die junge Generation

In meinem Erleben war Michael Schmock ein wichtiger Ermöglicher für die junge Generation. Ob auf Jugendtagungen oder im Einzelgespräch zur Unterstützung von Projekten: Er war immer bereit, genau zuzuhören, Mut zu machen und mit seinen verschiedenen Ressourcen zu unterstützen. So war er für viele meiner Freunde und Kollegen ein wichtiger Ansprechpartner. Später habe ich seine freilassende Art besonders als Geschäftsführer der fakt21 Kulturgemeinschaft erlebt. Diese hatte er mitgegründet und bei der Übergabe an eine neue Generation hat er sich so weit zurückgenommen, dass eine neue Vision, eine neue Ausrichtung und eine neue Unternehmenskultur geschaffen werden konnte. Er stand beim Übergang in die neue Geschäftsführung für mich nur zur Verfügung, hielt nicht fest und ließ uns machen. Nichts wollte er mitentscheiden. Sein geflügeltes Wort: „Einfach machen.“ Das zeichnete Michael aus. Danke, Michael!

Philip Stoll | geb. 1988, Geschäftsführer fakt21 Kulturgemeinschaft Bochum


Philipp Tok | Jetzt. Jetzt.

Wir waren über einige Monate damit beschäftigt, Porträts von jungen Menschen zu schreiben. Die Frage von Michael war: Warum sprechen wir nicht so über die Kommenden wie über die Abtretenden? Können wir junge Menschen so würdigen, wie wir es sonst mit gestandenen Persönlichkeiten tun? – Daraus entstand die Ausgabe „Menschenbilder“ der projekt.zeitung. Ein einfacher Gedanke war leitend: Beschreibe das Was des Menschen, was macht er, was ist greifbar, was zeichnet ihn aus – lass durch dieses Was das Wie sprechen, nicht durch Adjektive. Und wenn das Wie gut durchtönt, dann wird auch das Wer sich zeigen. Eine feine Sammlung Porträts entstand in dieser Zeit. Michael selbst wurde leider nicht porträtiert. Zum Abschluss des Projekts hatte ich doch noch das Bedürfnis, auch ihm einen Spiegel zu texten. Es wurde nur ein Wort: Jetzt. Jetzt. Das schien mir der Kern seiner Präsenz zu sein. Jetzt anpacken. Jetzt hier sein. Im Jetzt wirken.

Philipp Tok | geb. 1982, arbeitet für die Goetheanum-Kommunikation und hat ein eigenes Atelier.


Andreas Neider | Ein Kämpfer für die Jugend und für die Verarbeitung des Karmas

Michael hat sich, seit er angefangen hatte, anthroposophisch zu arbeiten, Zeit seines Lebens immer stark gemacht für die Jugend und für deren Integration in die Arbeit der Anthroposophischen Gesellschaft. Zunächst geschah dies auf ganz praktischem Wege durch die Einrichtung eines Jugendseminars auf seinem Hofgut in Kotthausen bei Wuppertal. Dort konnten junge Menschen leben, arbeiten und studieren und so das praktische Leben mit dem Studium der Anthroposophie verbinden. Später, in seiner Zeit als Vorstand der Deutschen Landesgesellschaft und als Generalsekretär, versuchte er unermüdlich, die jungen Menschen für die Anthroposophische Gesellschaft zu begeistern und ihnen Gelegenheit zu geben, sich innerhalb der Gesellschaft zu engagieren. Zahlreiche Tagungen und Begegnungen hatten diese Zielrichtung, so etwa im Jahre 2014 die Jahrestagung der AGiD, die dem Thema Meditation gewidmet war und dabei vor allem junge Menschen in die Gestaltung der Tagung einbezog.
Sein zweiter Arbeitsschwerpunkt war die Verarbeitung des eigenen Schicksals durch das sogenannte Schicksalslernen, wie es in den 90er-Jahren vor allem Coen van Houten entwickelt und in zahlreichen Kursen und Büchern vermittelt hat. Dabei war es Michaels Anliegen, möglichst viele verschiedene Ansätze der Auseinandersetzung mit dem eigenen Karma zusammenzuführen und sich gegenseitig befruchten zu lassen. Diese Bemühungen gipfelten 2023, nach dem Ende der Coronazeit, in einer Jahrestagung der AGiD in Kassel, bei der es in zahlreichen Arbeitsgruppen und in Vorträgen um das Erüben eines Verständnisses für das eigene Karma ging. Michaels Überzeugung war es dabei insbesondere, durch das Verständnis des eigenen und des fremden Karmas ein soziales Miteinander zu ermöglichen. Dieses Miteinander wird ja in anthroposophischen Zusammenhängen häufig dadurch erschwert, dass sich Einzelinteressen gegeneinander stellen und dadurch sozialen Unfrieden und mitunter Chaos verursachen.
Niemals zuvor hat es in der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland einen Menschen gegeben, der durch die hier geschilderten Bemühungen so intensiv integrativ und sozial wirksam tätig war, sodass man heute mit vollem Recht sagen kann, dass diese Landesgesellschaft ohne Michael nicht das wäre, was sie heute ist, nämlich eine Mehrgenerationen-Gesellschaft, die Menschen unterschiedlichsten Alters und unterschiedlichster karmischer Herkunft vereint. Dankbar kann man auf dieses soziale Wirken Michaels zurückblicken und dabei zu der Überzeugung kommen, dass er unsere Landesgesellschaft auch in Zukunft in diesem Sinne weiter begleiten und unterstützen wird.

Andreas Neider | geb. 1958, Leiter der Kulturagentur „Von Mensch zu Mensch“, Mitbegründer der Akanthos-Akademie Stuttgart e. V.


Alexander Thiersch | Als Generalsekretär läutete er eine neue Ära ein

Mit ihm als Generalsekretär galt (bewusst zugespitzt) eben nicht mehr: 

„Ein Generalsekretär schätzt die Situation ein, erkennt sie und die mit ihr verbundenen Menschen mit ihren Intentionen sicher, definiert das ferne Ziel der Anthroposophischen Gesellschaft und weiß, wer in welcher Façon berufen ist, daran mitzuwirken, in welchem menschlichen Verbund in welche Richtung gearbeitet werden muss, damit die Anthroposophische Gesellschaft eben das Ziel erreichen kann, das es zu erreichen gilt.“ 

Diese einigen hilfreiche, für andere aber determinierende Sicht auf die Dinge endete mit Michael. In feinsinnig gestalteten Sozialprozessen bezog Michael Schmock Interessierte aller Altersstufen in die Bearbeitung anliegender Fragestellungen ein, sowohl im ganz Praktischen als auch im Spirituellen, und eröffnete neue Forschungsfelder. Dabei erhielt jeder und jede wie selbstverständlich die Möglichkeit, im Rahmen ganz individuell vorhandener Möglichkeiten in die Mitgestaltung und Umsetzung zeitbedeutender Fragestellungen einzutauchen. Eine liebe Freude waren Michael große, wirklich große Feste, in der die menschlich-warme Begegnung spirituell Arbeitender in konzentrierter, gleichzeitig künstlerischer Form gelingen konnte, um die Gesellschaft, auch die Anthroposophische, gemeinsam in die Zukunft entwickeln zu können.

Alexander Thiersch | 1958, ehem. Geschäftsführer der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland

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