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Eurythmie: Eine Ära neigt sich …

Viele ahnen es: Es sieht nicht gut aus für die Eurythmie! In einem Gesamtüberblick über die Entwicklung der Eurythmie schildert Aurel Mothes ihre Anfänge bis in die Gegenwart mit Perspektiven für die Zukunft dieser Kunst. In diesem Zusammenhang bleibt es nicht aus, Versäumnisse zu benennen, aber auch Chancen zu erkennen, die es dynamisch zu ergreifen gilt!

von Aurel Mothes | 01/24/2026

Liebe Freunde der Eurythmie, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Es ist mir ein tiefes Bedürfnis, in Form einer Momentaufnahme die aktuelle Situation der Eurythmie zu skizzieren und mit euch zu teilen. Bin ich doch nicht der Einzige, der sich Gedanken macht, wie es mit der Eurythmie weitergehen kann. Vielleicht entsteht dadurch eine Arbeit mit Menschen aus den einzelnen Feldern der Eurythmie, die sich zusammensetzen und sich intensiv bemühen, die Eurythmie neu zu beleben und zu bereichern. Vielleicht auch, um gemeinsame Ideen und ein gemeinsames Vokabular für das zu entwickeln, was das Wesen Eurythmie jetzt von uns braucht.

Dieser Versuch geschieht aus der Erinnerung an Vergangenes, mit einem klaren Blick auf das JETZT und mit einem Ausblick eventueller Möglichkeiten für die Zukunft der Eurythmie. Selbstverständlich ist ein solcher Versuch sehr subjektiv und größtenteils stark geprägt durch eigene persönliche Erfahrungen und Erlebnisse.

Doch zunächst zu den Anfängen:
Die ersten Eurythmisten empfangen durch Rudolf Steiner die Grundelemente der Eurythmie und erüben sie. Der Grundstein für diese wunderbare Kunst wird gelegt.
Das eurythmische Vokabular erweitert sich und die eurythmischen Elemente werden vielseitiger. Die Elemente werden systematisch anhand von Dichtungen und kleineren Musikstücken angewandt und in Form von Demonstrationen und kleineren Aufführungen zur Darstellung gebracht. Die Fertigkeit der ersten Eurythmisten erlaubt es, dass die Eurythmie sich immer individueller und mit vielseitiger werdenden Ausdrucksmöglichkeiten zeigt. Die erste Bühnenarbeit in Dornach entsteht u. a. unter der Leitung von Marie Savitch. 

In diesem Zusammenhang sei bemerkt, dass stellvertretend für einzelne Generationen Menschen erwähnt werden, die sich sehr stark für diesen Kunstimpuls eingesetzt haben und viel für die Eurythmie erreicht haben. Geht es doch um einen Überblick der Gesamtentwicklung. Bald schon entstehen einzelne Gruppierungen, die sich dann in Form von Eurythmie-Schulen manifestieren. Mit Künstlerpersönlichkeiten wie Elena Zuccoli, Lea van der Pals, Else Klink und Friedhelm Gillert bekommt die Eurythmie immer mehr einen individuelleren Stil. Zunächst mit der Gefahr, dass diese einzelnen Strömungen sich nicht unbedingt nur wohlwollend bedenken, sondern auch durchaus künstlerisch aneinander vorbeileben. Der immer individueller werdende Umgang mit den eurythmischen Elementen führt dazu, dass sich diese immer vielseitiger und in den verschiedenartigsten Charakteren zeigen. Andere Kontinente werden mit der Eurythmie erobert: Friedhelm Gillert macht erste Asienerfahrungen, Else Klink bringt die Eurythmie letztendlich in alle Gegenden dieser Welt. 

Wir sind mittlerweile in den Siebzigerjahren angekommen:
Man sieht allerorts Eurythmie-Bühnengruppen aus den Niederlanden (Werner Barfod), der Schweiz, England (Ashdown), Spring Valley im Staat New York (Dorothea Mier), Hamburg (Carina Schmid), Berlin, München, Stuttgart und vielerorts mehr. 
Die künstlerischen Leiter prägen ihre Ensembles sehr stark in ihrem Stil (das ist auch gut so!). In diesem Zusammenhang sei erlaubt zu erwähnen, dass ich tief beeindruckt war von der Darstellung des „Peer Gynt“ im Staatstheater Stuttgart in der Dramaturgie von Wolfgang Veit sowie insbesondere von der überzeugenden Choreografie Else Klinks und daraufhin Eurythmie studierte. So ging es übrigens so manchem.
Die Fähigkeit, diese esoterische und zugleich exoterische Kunst in einem so weltlichen Rahmen so ausdrucksstark zu präsentieren, war eine der großen Stärken von Else Klink.
Es waren also künstlerische Momente, überzeugende Erlebnisse, die einen dazu anregten, auf dem Gebiet der Eurythmie auch tätig sein zu wollen. Das Moderne, das Zukünftige war zu erahnen! Im Lehrplan der Waldorfschulen spielt die Eurythmie eine große Rolle, und alle Stellen sind voll besetzt. Überhaupt ist die Waldorfschule der Ort, wo die Eurythmie bis vor einigen Jahren einen sicheren Lebensort findet.

Wir kommen jetzt in die Achtziger- und an den Anfang der Neunzigerjahre:
Die eurythmische Aufführungskultur zeigt sich nun in Form von vielen kleinen Projektensembles, die mit vielseitigen, teils wechselnden Besetzungen sehr individuelle Ansätze zeigen. Melanie McDonald, Alexander Seeger, Ernst Reepmaker, Marianne und Hans Fors – um nur einige zu nennen – prüfen die Eurythmie und ihre Möglichkeiten aufs Äußerste, auch mit dem Risiko, den einen oder anderen Zuschauer zu entsetzen und zu provozieren. Aber immer mit dem berechtigten und tiefen Ernst, die Eurythmie in ein anderes, neues Zeitalter zu führen. Wurden auch schon in den Siebzigerjahren mit dem Verdacht auf „Verrat an der Eurythmie“ Türen laut zugeschlagen, so wurde jetzt in den Achtzigern die gegenseitige Akzeptanz aufs Höchste gefordert.

Einzelne Elemente wurden zum Stil ausgebaut und der Umgang mit Lichtgestaltung, Kostümen und choreografischen Ideen fand keine Grenzen. Im Grunde genommen eine wichtige Zeit, in der die Wirksamkeit der Eurythmie im „Abtasten“ zu den anderen, den Nachbarkünsten, eine wesentliche Rolle spielte! In meiner Interpretation folgte alsbald eine ernüchternde Stimmung, in der der Versuch verstummte, diese neuen Wege weiterzugehen. Man kann regelrecht von einer Resignation dieser Generation sprechen.
Das „Projekt-Jumping“ erlosch, und die Gesamtentwicklung der Eurythmie reduzierte sich auf wenige Bühnengruppen, die noch vereinzelt Aufführungen machten.

Eine große Chance für die Eurythmie bildet die Tatsache, dass sich einzelne Menschen auf gewisse Qualitäten innerhalb der Eurythmie konzentrieren. Ob das die Bildekräfte-Arbeit, die Arbeit mit Pflanzen, Eurythmie im Sozialen, die Weiterentwicklung der Heileurythmie betrifft und manches mehr. Immer da, wo einzelne Menschen forschend mit Eurythmie umgehen, entstehen unglaublich interessante und aufregende Arbeiten!
Das ist eine Qualität, die ich auch innerhalb der Waldorfschulen beobachte: Immer da, wo Kolleginnen und Kollegen einzelne Themen über ihr Fachgebiet hinaus ausbauen und Außerordentliches leisten, entsteht Ausstrahlung und Glanz für eine Sache, in diesem Fall auch für eine Schulumgebung! Jeder bräuchte im Grunde sein Thema! Das birgt unglaubliches Potenzial!

Wir sind nun im „Jetzt“ angekommen:
Um eine Analyse vom „Jetzt“ machen zu können, ist es notwendig, auf einige Tatsachen und Phänomene des Erscheinungsbildes der Eurythmie zu schauen: Die Originalität, die Eigenartigkeit und das Künstlertum so mancher großer Gestalten der Bühnenkunst ist heute nur selten noch zu erleben. 

Ein sehr verdienstvolles Barometer eurythmischer Kunst ist das Internationale Eurythmie-Festival, das einmal im Jahr in Witten stattfindet (Gastgeber und Initiator: Arnold Pröll). Schildern wir anhand von diesem Forum die unglaublichen Möglichkeiten, aber gleichzeitig auch die Probleme der eurythmischen Situation heute: Ich denke, das volle Potenzial dessen, wie sich die Eurythmie-Schulen bei diesem Forum präsentieren könnten, wurde von manchen Ausbildungsstätten nicht immer ganz „ausgereizt“.
Stattdessen präsentiert man sich hier oftmals recht traditionell, in jedem Fall nicht immer attraktiv genug. Dadurch wurden potenzielle Studenten nicht unbedingt angezogen.
Überhaupt, denke ich, hätten manche Ausbildungsstätten mehr Begeisterung, Glanz und Ausstrahlung verbreiten können! Interessanterweise waren, und sind es bis heute, kleinere Ensembles, vor allem aber Lehrer-Persönlichkeiten, die in der Zusammenarbeit mit ihren Schülern und aus einer unmittelbaren Nähe zu dieser Generation erstaunliche und wunderbare Ergebnisse brachten und bringen! Man hat den Eindruck, hier ist das Potenzial völlig frei und frisch, neue, existenzielle Wege zu gehen!

Die übergeordnete Frage ist: Wo können sich junge, künstlerische Seelen angesprochen fühlen und in Kontakt kommen mit Eurythmie in einer zeitgemäßen Form, sieht man doch fast keine Aufführungen mehr. Das ist eines der großen Probleme, dass man die Eurythmie in ihrer Kunstform als Zuschauer nicht mehr erleben kann. Wie sollen also junge Menschen einen biografischen Zugang zu dieser Kunst erhalten? Vielleicht aber gibt es in unserer Bewegung nicht mehr genügend charismatische Künstlergestalten, die Visionen haben und die Sache entsprechend weiterentwickeln können.

Die mangelnde Präsenz der Eurythmie im kulturellen Leben hat auch damit zu tun, dass es zu wenige Menschen gibt, die sich dafür interessieren, was es bedeutet, Choreografie für die Eurythmie als Beruf mit der entsprechenden Schulung und dem Umgang mit der Psychologie der Bühnengesetze zu realisieren. Dieser Mangel an Gesichtspunkten und Aspekten zur eurythmischen Choreografie ist oft bei Eurythmie-Festivals erlebbar. Ist es doch nicht gleichgültig, welche Aussage in welcher Richtung und an welchem Ort im Bühnenraum getätigt wird!
Selbstverständlich ist die Eurythmie nicht immer spektakulär, aber etwas ansprechender und interessanter kann doch der eine oder andere Beitrag wirklich gestaltet werden! In diesem Zusammenhang öffnet sich ein weiteres, großes Thema für die Zukunft der Eurythmie: Es ist die wesentliche Aufgabe, die darzustellenden Inhalte wirklich zum Bild werden zu lassen. Das heißt die Partitur beziehungsweise den Text nicht eins zu eins umzusetzen, sondern in einer Art bildhaften, imaginativen Form den Inhalt auf einer höheren Ebene darzustellen. Das Überwinden der einzelnen Person zugunsten einer gruppenchoreografischen Lösung, wo der einzelne Darsteller so weit verschwindet, wie es notwendig ist, um den Organismus als formbare Menschenlandschaft so zu behandeln, dass der darzustellende Inhalt erlebbar wird. Das sind äußerst beglückende Momente, wenn es gelingt, dass „Objektivität“ entsteht. Dann ragt die Gruppenaussage hinein in die Region, aus der das Werk kommt! Das sind natürlich Sternstunden der Kunst!

Wenn wir nun im Detail auf eine Qualität achten, die jede Aussage immens steigern kann, so möchte ich noch auf die Grundqualität des „M“ zu sprechen kommen, mit dessen Anwesenheit in jeglicher Nuance die Präsenz der Gebärde gesteigert werden kann. Es ist das Gespür für den „Widerstand“ in meiner Bewegung im Dialog zum umgebenden Raum.
Immer dann, wenn es gelingt, das, was in einem kleineren Üb-Raum erarbeitet wurde, im Anschluss auf einer größeren Bühne zu zeigen – also umzustellen vom Probenraum auf die Dimensionen einer großen Bühne, wie das beispielsweise im Goetheanum der Fall ist –, dann ist auch eine Präsenz und ein Eingehen auf die „Raumverhältnisse“ notwendig. Gelingt dies nicht, bleiben die Eurythmisten unter sich und haben mit dem Publikum und dem gesamten Raumgeschehen wenig zu tun. Aus unserer langjährigen Erfahrung mit vielen Bühnenprojekten – ob mit Schülern oder in professionellen Zusammenhängen – scheint es mir immer wichtiger zu werden, diese Präsenz bewusst zu erüben.

Die Kombination von bewusstem Ergreifen des Raumes in Bezug zu meiner Gebärde ist eine „Technik“, die es gilt, als choreografisch Tätiger zu vermitteln. Da spielen auf einmal die Blicke eine Hauptrolle! Welche Wohltat ist es, wenn eine Bewegungsintention parallel mit dem Blick in einem gemeinsam erlebten Ort mündet! Das sind starke Momente, wenn das in einer Gruppenaussage gelingt! Es gilt, aufregende und nicht gekannte Aspekte zu erobern – also Neuland zu betreten –, kommt man doch davon weg, Choreografie nur als Gestaltung von Raumformen zu begreifen. Es tun sich neue Dimensionen auf!

Interessiert man sich für die Frage, was Choreografie für die Eurythmie bedeutet, so ist man bei manchen Beiträgen sowohl live als auch in den Medien (z. B. bei YouTube) irritiert, wenn man sieht, wie wenig auf die Klangqualität und auf die Aussage eines Komponisten choreografisch eingegangen wird. Sind beispielsweise bei der „Jagdszene“ in der „Moldau“ von Smetana starke, kraftvolle Posaunenklänge zu hören, gibt es keinen Grund, choreografisch dagegen anzuarbeiten; gilt es doch vielmehr, diese kraftvollen Töne in Form von nach vorne drängenden, sich immer wieder neu erschaffenden Formen auch zu zeigen! Das Interessante ist hier: Die Form der Fanfare wird hier auch zur choreografischen Lösung! Das ist ein so schönes und kreatives Feld, auf dem man unbedingt investieren muss, um Fähigkeiten dafür auszubilden. Denn die Aussage wird natürlich eine glaubhafte, drückt man sich in adäquaten Formelementen aus! 
Diese Qualitäten müssen geschult werden. Es benötigt ein gemeinsames Vokabular, um die Eurythmie und ihre Möglichkeiten wirksam und attraktiv werden zu lassen.

Eine Forderung Rudolf Steiners für die Zukunft ist ja die stumme Eurythmie! Um dieser stummen Eurythmie gerecht zu werden, bedarf es umso mehr der Fähigkeit, das Wesentliche des Inhalts unmittelbar mit der Gebärde auszusprechen! Ich denke, dass dieses Gebiet die Eurythmie enorm nach vorne bringen kann! Kommt es doch jetzt wirklich darauf an, dass der einzelne Mensch dank seiner einzigartigen Persönlichkeit eine sehr eigene Lösung finden muss, den Inhalt darzustellen. Selbstsprechende „stumme“ Bewegungskompositionen zu schaffen, die sich einlassen auf unterschiedliche Inhalte und Themen, ist eine wirkliche Herausforderung für die Zukunft der Eurythmie! Die eurythmische Bewegung wird dann glaubhaft, wenn es dem Ausführenden gelingt, sein Zentrum zu zeigen! Man möchte doch den Künstler erkennen! Man möchte doch das seelische Zentrum im Umgang mit den ganzen Elementen und Mitteln der Eurythmie erfahren! Ansonsten bleibt es ein „Kampf“ mit den „Mitteln“, und die individuelle Aussage unterliegt der Gefahr, in diesem Kampf zugeschüttet zu werden. Diese Fähigkeit hätte von Anfang an noch viel stärker in den Ausbildungen veranlagt werden können. Wenn es gelingt, die sogenannte Komfortzone zugunsten einer tragfähigen großen Gebärde zu verlassen, entsteht Bühnenwirksamkeit! Das Gesetz des Dramatischen: „Mich gibt es nur, weil es den anderen gibt“, ist hier das Zauberwort. Ob es das Gegenüber des „Mitagierenden“ oder das Gegenüber in Form des Publikums ist, in jedem Fall ist hier eine große Steigerung der eigenen Wirksamkeit in der Gebärde möglich. Es ist immer wieder faszinierend zu erleben: Wenn es gelingt, den Dialog von meinem eigenen künstlerischen Zentrum zum umgebenden Raum mit einer gewissen Kraft der „M“-Gebärde zu gestalten, ist die Aussage oft eine unglaublich starke! Die Hände spielen in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle, was die Präsenz betrifft. Die Hände bereits als erste Möglichkeit zu sehen, das Ganze im „Kleinen“ zu gestalten, was dann als Großes, am gesamten Körper zur Sichtbarkeit kommen will! Meiner Wahrnehmung nach bekommen die Hände nicht immer die ihr gebührende Aufmerksamkeit, was den Ausdruck betrifft, sodass sie oftmals nicht deutlich genug sichtbar sind und dadurch nicht genug „artikulieren“.

Ein weiteres Feld der eurythmischen Erneuerung tut sich auch für die sogenannte pädagogische Eurythmie auf. Jegliche pädagogische und auch therapeutische Intention sollte aus einem künstlerischen Überschuss kommen. Der Rucksack an künstlerischen Erlebnissen und Erfahrungen muss unendlich voll sein. Sind es nicht die schönsten und befriedigendsten Momente im Schulgeschehen, wenn man wie ein Blankoscheck (weiß) in den Unterricht geht? Wirklich im HIER und JETZT, ganz in der wachen Begegnung mit den Schülern, um heute den Unterricht adäquat zu gestalten? Man wünscht sich doch für diese jetzige Schülergeneration, dass niemand mit Ordnern früherer Generationen hantiert, sondern dass man aus sich heraus aktiv wird, Konzeptionelles, Choreografisches und Gestalterisches für den Eurythmie-Unterricht immer wieder neu zu entwickeln und zu ergreifen. Diese Fähigkeit könnte man als Erziehungskunst bezeichnen. Also nichts Rezepthaftes, sondern immer wieder neu entwickelte Inhalte und Aspekte in Bezug auf die Gruppierung, mit der man es zu tun hat. Der Eurythmie-Unterricht sollte nie durch die reine Aneinanderreihung von Übungen so vor sich „hinplätschern“, sondern sollte immer eine Perspektive aufzeigen, worin das Ganze münden kann!

Wie aber können wir die Menschen für die Eurythmie gewinnen? Sie begeistern?
Will man junge Menschen für die Eurythmie begeistern, ist es das Wichtigste – so scheint es mir –, sie in den Dialog mit Gleichaltrigen zu bringen! Daher die vielseitigen Bemühungen von Projekten wie „what moves you“, YEP! und ähnlichen internationalen Jugend-Eurythmie-Projekten. Junge Menschen machen Eurythmie für junge Menschen! Existenziell, präsent und frei. 
Damit die Eurythmie an der Schule ernst genommen werden kann, bedarf es solcher Projekte! Das Erübte muss in einer Aufführung münden, die eine starke Aussage macht! Die Inhalte, die wir mit den jungen Menschen erarbeiten, sollten unmittelbar etwas mit ihnen zu tun haben! Am besten, sie schreiben eigene Texte. Die Weltlage gibt ja genügend her! 

Wir alle erleben, wie die Eurythmie sich zunehmend zurückzieht. Wir spüren, dass da etwas angefangen hat aufzuhören … Viele Schulen haben schon keine Eurythmisten mehr oder haben nur noch wenige Stellen besetzt. In fünf bis sechs Jahren, wenn unsere Generation in Rente geht, brauchen wir im deutschsprachigen Raum 600 Eurythmisten, die es nicht geben wird. Es wird deutlich: Eine Ära neigt sich … Auch wenn der eine oder andere hoffnungsvoll vermutet, „die Eurythmie metamorphosiert sich in eine andere Qualität“, sind es ja doch letztendlich Menschen, die dies realisieren sollten. In einer solchen Situation ist es, glaube ich, nicht verboten, in verschiedene Richtungen neu zu denken: Da es nur noch sehr wenige Ausbildungsstätten für Eurythmie gibt – und damit verbunden wenige Studierende – und der eine oder andere zwar gerne eine Ausbildung machen würde, aber nicht in der Nähe einer solchen Ausbildungsstätte wohnt und dadurch diesen Berufswunsch nicht realisieren kann, wäre doch Folgendes anzudenken:

Eurythmisten nehmen Menschen aus der Schulumgebung in Form einer Ausbildung am Ort mit in den Unterricht hinein. „Learning by doing“. Wie eine Art Ausbildung in der Schule. Solcherlei Modelle sollten in Zukunft angedacht werden. Überhaupt muss alles gedacht werden! Also mutig versuchen, die Eurythmie vielseitig zu bereichern und zu beleben! Wir machen die Erfahrung, dass die jungen Menschen die Eurythmie lieben und eine tiefe Sehnsucht haben, sich gerade auch mit den spirituellen Hintergründen dieser wunderbaren Kunst auseinanderzusetzen!

Lasst uns zusammen Ideen entwickeln, wie wir Begeisterung für diese zukünftige Kunst entfachen können! Meldet euch, wenn ihr in einem modernen Forum für Eurythmie die entsprechenden Fragen behandeln wollt. Noch ist es nicht zu spät! Oder vielleicht doch?

Kollegiale Grüße aus Kassel!
Aurel Mothes

Eurythmy NOW!
Forum für die Zukunft der Eurythmie 
aurel.mothes17noSpam@gmail.com
www.yep-performance.org

Hier noch eine herzliche Einladung nach Kassel!

Zwei Projekte mit unseren Schülerinnen und Schülern stehen im 2. Halbjahr an:

EURYTHMIE „BILDER EINER AUSSTELLUNG“ von M. Mussorgsky
Donnerstag, 5. Februar 2026, um 17.00 Uhr im großen Saal der Freien Waldorfschule Kassel
In diesem Schulprojekt präsentieren Schülerinnen und Schüler der Unter-, Mittel- und Oberstufe aus der eurythmischen Arbeit Choreografien zu dem musikalischen Zyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky.

Eurythmische Einstudierung: Katja Gottschalk, Aurel Mothes
Am Piano: Nikita KopylovEintritt frei, Spenden erbeten.

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EINE KÜNSTLERISCHE BEGEGNUNG
Dienstag, 23. Juni 2026, um 19.00 im Anthroposophischen Zentrum Kassel

Zum wiederholten Male kommt es zu einer künstlerischen Zusammenarbeit der Waldorfschulen Frankfurt am Main und der Kasseler Waldorfschule!
Das Frankfurter Oberstufenorchester begleitet die Schülerinnen und Schüler der beiden zehnten und elften Klassen der Freien Waldorfschule Kassel zu großen, dynamischen Choreografien in einem symphonischen Orchester-Eurythmie-Projekt.
Präsentiert werden Choreografien zur „Egmont-Ouvertüre“ von Ludwig van Beethoven und dem ersten Satz aus dem „Klavierkonzert in c-Moll“ von Wolfgang Amadeus Mozart sowie Werke aus „Carmen“ (Georges Bizet) und manches mehr.
Ein rauschender Abend voller Klang und Farben und mit jugendlichem Ausdrucksvermögen!

Choreografie: Sonnhild Gädeke-Mothes und Aurel Mothes, Kassel
Orchesterleitung: Berthold Breig, Frankfurt
Licht: Peter Jackson, Prometheuslighting
Eintritt frei, Spende erbeten

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