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Die anthroposophische Medizin braucht Sie

Seit vielen Jahren erlebe ich in meiner Arbeit als klinisch tätiger anthroposophischer Arzt die segensreiche integrative Verbindung der heute anerkannten Medizin mit den oft kritisch gesehenen, belächelten oder gar bekämpften Verfahren der Homöopathie und anthroposophischen Medizin – gerade in der klinischen Akutmedizin, selbstverständlich auch in Kliniken, die nicht von einer anthroposophisch orientierten Trägerschaft geführt werden, und auch dann, wenn Patientinnen und Patienten sich nicht aus ihrer Geisteshaltung heraus bewusst dafür entscheiden, sondern wenn ihnen diese Medizin bei einer Krankheit wie zufällig erstmalig begegnet. Ich betone dies, weil die Anwendung von anthroposophischer Medizin für Patientinnen und Patienten ebenso wenig eine weltanschauliche Dimension hat wie der Besuch einer Waldorfschule für deren Schülerinnen und Schüler. Homöopathie und anthroposophische Medizin sollen eine Option für alle sein und für alle finanziell möglich bleiben: für Menschen, die sie gezielt aufsuchen, ebenso wie für diejenigen, die ihr in einer Erkrankung zum ersten Mal begegnen und ihre Angebote nutzen möchten.

von Martin-Günther Sterner | 26.05.2026
Bild: Carsten Strübbe


Genau diese Option ist nun in Gefahr. Die Bundesregierung plant, homöopathische und anthroposophisch-medizinische Leistungen aus der Erstattung der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen. Weder als anthroposophischer Arzt noch als möglicher Patient – und schon gar nicht als Bürger dieses Landes – will ich das einfach hinnehmen. Und ich bitte Sie, es ebenfalls nicht hinzunehmen.

Dabei ist das Einsparpotenzial dieser Streichungen einerseits so gering, dass es gesundheitspolitisch kaum ins Gewicht fällt. Zugleich droht jedoch, dass Kosten in teurere Behandlungen verlagert werden: mehr Medikamente, mehr technische Eingriffe, mehr Krankenhausaufenthalte. Vor allem aber riskieren wir, dass gerade jene Behandlungen zurückgedrängt werden, die vielen Menschen helfen, mit ihrer Krankheit besser zu leben und ihre eigenen Kräfte zu mobilisieren.

Es geht dabei nicht nur um eine bestimmte Therapieform, sondern auch um eine grundsätzliche Frage: Wollen wir ein Gesundheitssystem, in dem Vielfalt, Wahlfreiheit und Menschlichkeit ihren Platz haben, oder eines, in dem nur noch das gilt, was in ein gewünschtes Raster passt?

Als Arzt kann ich fachlich argumentieren, Stellungnahmen verfassen und an Anhörungen teilnehmen. Das tue ich – gerade auch in meinen Funktionen als Vorstand der Gesellschaft Anthroposophischer Ärztinnen und Ärzte in Deutschland und der Hufelandgesellschaft, des ärztlichen Dachverbands für Integrative Medizin.

Aber ich weiß: Ohne Ihre Stimme, ohne Ihre ganz persönliche Initiative wird das nicht ausreichen. Politik reagiert letztlich erst, wenn sie spürt, dass ein Thema viele Menschen wirklich bewegt.

Darum bitte ich Sie ganz konkret:

  • Unterstützen Sie Aktionen wie die Petition von „weil’s hilft!“: www.weils-hilft.de/jetzt.
  • Unterstützen Sie die „Mittwochsmärsche der Weißkittel“, bei denen Ärzt:innen, Therapeut:innen, Pflegende und Patient:innen gemeinsam sichtbar werden:

     

    27.05.2026 Köln, 12.05 Uhr, vom Dom-Vorplatz über die Rheinbrücke

    03.06.2026 Kassel, 12.05 Uhr, vom Bahnhof Wilhelmshöhe bis zum Merkur-Tempel im Schlosspark

    10.06.2026 Berlin, 12.05 Uhr in der Nähe des Bundestags

     

  • Informieren Sie sich über die geplanten Änderungen und ihre Folgen.
  • Sprechen Sie mit der Familie, dem Freundeskreis und z. B. Ihren Kolleginnen und Kollegen darüber, warum Ihnen integrative Medizin wichtig ist.
  • Schreiben Sie Ihren Abgeordneten im Bundestag oder suchen Sie das persönliche Gespräch, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Erzählen Sie Ihre Geschichte: Warum nutzen Sie anthroposophische Medizin oder Homöopathie? Was würde es für Sie bedeuten, wenn diese Leistungen nicht mehr von der Kasse übernommen würden? Hinweise dazu finden Sie ebenfalls unter www.weils-hilft.de.

Die beiden kommenden Monate sind entscheidend dafür, ob integrative Medizin auch künftig im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung möglich bleibt oder zu einem Privileg für wenige wird. 

Die anthroposophische Medizin braucht unser aller, braucht Ihre Unterstützung – jetzt.



Martin-Günther Sterner, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Vorstand Gesellschaft Anthroposophischer Ärztinnen und Ärzte, Vorstand Hufelandgesellschaft – ärztlicher Dachverband für Integrative Medizin

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