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Artikel Junge Hochschule, Berlin, 6.–8. März 2026

Durch die enge Pforte des individuellen Verständnisses von Lisa van Holsteijn

von Lisa van Holsteijn | 27.04.2026

Nachklang zum Treffen der Jungen Hochschule, Berlin, 6.–8. März 2026

Das letzte Junge-Hochschule-Treffen in Berlin vom 6. bis 8. März 2026 war für mich eine tief beglückende Erfahrung. Es war das Erlebnis einer Zukunftsgemeinschaft.

Ich erlebte, wie wir – zwölf junge Menschen aus verschiedensten Ecken Deutschlands – es geschafft haben, gemeinsam zu bauen. Wir bauten an unserem eigenen Verständnis der 19 Mantren der Michaelsschule. In anderen Zusammenhängen habe ich häufig erlebt, wie schwer es ist, über diese so hohen Weisheiten der Hochschule „offen“ zu reden. Wie schwer es ist, in den offiziellen und ernsten Runden der Hochschultagungen das eigene Verständnis ehrlich miteinander zu teilen.

Oft schwebt eine Angst im Raum, die uns hindert, zu sagen, wie wir die Inhalte verstehen. Dann bleiben diese Inhalte verschlossen. Häufig trauen wir uns nicht, in eigenen Worten zu sprechen, stattdessen werden die „Erklärungen“ von Steiner oder Prokofieff zitiert, damit wir uns selbst nicht entblößen. Auch ich bin dieser Tendenz öfter verfallen.

Irgendwie ist dies leider zu einer Art „Anthroposophen-Kultur“ geworden; es erzeugt eine Stimmung der Enge und Zurückgezogenheit, die nichts mit dem Geist Michaels oder der Anthroposophia zu tun hat.

Daher ist es umso beglückender, dass es uns in der Jungen Hochschule zunehmend gelingt, diese Hemmschwelle zu überwinden. Dieses März-Wochenende wollten wir dem 19. Mantram widmen, und am ersten Abend haben wir versucht, den ganzen Bogen zu schaffen.

Da Bodo von Plato und Elke Schmitter, bei denen die Treffen in Berlin normalerweise stattfinden, erkrankt waren, „mussten“ wir den Weg vom 1. bis zum 19. Mantram ganz selbst beschreiben. Schritt für Schritt, in einer freudig-ernsten Stimmung, haben wir es geschafft, den Bogen gemeinsam im Raum aufzubauen.

Da dies ganz aus eigenen Worten geschah, oft angereichert mit eigenen Wahrheitserfahrungen, stand am Ende dieser Bau vor uns: golden, ganz real und greifbar. Noch nie hatte ich so stark die Erfahrung des Verstehens dieser Mantren.

Dadurch, dass ich so stark gefragt war, die Mantren in meine eigenen Worten zu fassen, sind sie persönlich geworden. Dieses Persönlich-Werden der überpersönlichen Menschheitsworte war das, was mich bei diesem Treffen so beeindruckt hat.

Ich erlebte, wie sie anfingen, zu mir – in meiner Sprache – zu sprechen. Per-sonare: hindurchtönen. Die Worte tönten tatsächlich durch die individuellen Menschen und schufen damit eine neue Wirklichkeit.

Schlüssel dafür, dass diese Qualität entstehen kann, sind für mich folgende Elemente:

Wir waren eine Gruppe ohne klare Autorität. Auch wenn Bodo das sonst nicht für uns sein möchte, bekommt er von uns in der Regel diese Rolle zugeteilt. Dadurch, dass die Autorität beim letzten Treffen nicht da war, waren wir viel stärker als Gruppe gefragt, ein Gefäß zu bilden.

Zugleich herrschte eine Stimmung von Leichtigkeit und Freude. Dadurch wurde nichts vom Ernst der Thematik weggenommen – im Gegenteil: Sie unterstützte den Fluss des Einsehens und Verstehens. Wir waren gemeinsam auf der Suche und gingen fragend an die Worte heran.

Am Samstagabend schufen wir einen Wahrnehmungsraum, um einander in unserem Werden und in unserer Verletzlichkeit zu zeigen. Jede*r teilte einen kurzen Beitrag aus dem eigenen Leben mit den anderen. Die Einladung war, etwas in die Runde zu stellen, was gerade im Inneren lebt: Was beschäftigt dich? Was ist lebendig in dir?

Zwölf Perlen – verletzlich und strahlend – wurden im Raum sichtbar. Wieder erschien das Motiv des „Personare“, des Sich-persönlich-Zeigens in Gemeinschaft. Dadurch senkte sich eine Wärme in die Runde, die die Arbeit an den Mantren unterstützte.

Ähnlich war es in der Schreibwerkstatt, wo wir schauten, welche Worte in uns resonieren, woraus eigene Einsichten sowie ein Verinnerlichen einzelner Zeilen entstanden.

Als wir am Sonntag zum Abschluss – mit einem „Wächter“ an der Tür – in die Lesung der 19 Mantren eintraten, war eine warme, fast religiöse Stimmung im Raum zu spüren. Am Ende dieser Lesung hatte ich das Erlebnis, dass der junge Rudolf Steiner anwesend war. Am Tag zuvor, nachdem wir die 19. Stunde gelesen und mit Zeichen und Siegel abgeschlossen hatten, war für mich Christian Rosenkreutz spürbar.

So war dieses Treffen für mich tief wesentlich. Es berührt für mich den Kern der Zukunftsaufgabe der anthroposophischen Bewegung:

Wir brauchen Räume, in denen die hohen Inhalte, die uns Rudolf Steiner gegeben hat, persönlich werden können. Sie wollen von uns ergriffen, heruntergeholt und in unsere eigenen Worte übersetzt werden.

Wir dürfen mutig sein und uns zeigen. Die Inhalte wollen hindurchtönen – durch die enge Pforte des individuellen Verständnisses.

So sehe ich eine hohe Aufgabe für die Junge Hochschule und hoffe, dass sie inspirieren und strahlen kann, damit möglichst viele solcher michaelischen Räume der Wärme und des mutigen Sich-Zeigens im Lichte der 19 Mantren entstehen.

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