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100 Jahre Leier-Impuls - Kulturschöpfung aus anthroposophischer Quelle

Lothar Gärtner, Kunstschreiner und Plastiker, und Edmund Pracht, Pianist und Komponist, begegneten sich 1923 in Dornach. Sie waren Mitglieder der nach dem Brand des Ersten Goetheanums zusammengerufenen sogenannten Wächtergruppe und stellten sich ganz in den Dienst der anthroposophischen Arbeit. Auf der Suche nach einem angemessenen Klang für die Eurythmie mit seelenpflegebedürftigen Kindern am „Sonnenhof“ in Arlesheim fanden sie gemeinsam zur Ur-Form eines neuen Saiteninstruments, dem sie den antiken Namen „Leier“ gaben. Doch weder die asymmetrische Form noch die chromatische Besaitung lehnen sich an das Altertum an – sie setzen vielmehr die moderne Entwicklung vor allem des Klavierbaus voraus, und der so gewonnene, zart-intensiv eindringende und zugleich sphärische Klang kann als echte „Neu-Erscheinung“ in der musikalischen Phänomenwelt gehört werden.

von Christian Giersch | 27.04.2026
Fotos: © Goetheanum; „Lothar Gärtner-Leier“; Leier-Gruppe USA, zvg

Dank des Einsatzes von Ita Wegman für das neue Instrument wurde die Leier sofort in den anthroposophischen heilpädagogischen Instituten beheimatet und wirkte dort über Jahrzehnte segensreich und zugleich weitgehend abgeschirmt von den musikalischen Entwicklungsströmen des 20. Jahrhunderts. Sie war dadurch umgeben von einer Aura selbstloser Menschlichkeit, großer Spiritualität, aber auch des musikalischen Laientums.

Etwa seit der Jahrtausendwende begann sich dieses Bild zu wandeln. Der Klang der Leier findet Freunde in zahlreichen Kulturkreisen – Nord- und Südamerika, ganz Europa, Japan, China und Korea – und ist nicht mehr ausschließlich in anthroposophisch orientierten Zusammenhängen zu finden. Es gibt profilierte Komponisten (z. B. Siegfried Thiele, György Kurtág), die für das Instrument geschrieben haben, und geniale Instrumentalisten (wie John Billing, Martin Tobiassen), die eine rein künstlerische Entwicklung der Leiermusik vorantreiben. Auch im Leierbau hat sich eine große Vielfalt an Metamorphosen der Ausgangsform entwickelt.

Die Festtage „100 Jahre Leier-Impuls“ am Goetheanum wollen einerseits den gegenwärtigen Reichtum an globalen Bestrebungen rund um die Leier fokussieren, indem Menschen aus aller Welt zu gegenseitiger Präsentation und Wahrnehmung eingeladen werden. Andererseits sollen gemeinsame Klang- und Stille-Erfahrungen aller Teilnehmenden die gefühlte Rückbindung an den Ausgangspunkt des Leier-Impulses ermöglichen: das Goetheanum als der Ort, an dem der neue Klang geboren wurde – als Ort der Suche nach der spirituellen Dimension des Menschlich-Kosmisch-Musikalischen. 

 

Für den Vorbereitungskreis 

Christian Giersch 

 

29. Juli – 2. August 2026 | 100 Jahre Leier-Impuls - 
Internationale Festtage am Goetheanum 
Sektion für Redende und Musizierende Künste
Infos und Anmeldung >> srmk.goetheanum.org/konferenzen/leier

 

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