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Festakt zum 150. Geburtstag von Emil Molt

Emil Molt ist Gründer der ersten Waldorfschule auf der Stuttgarter Uhlandshöhe im Jahr 1919. Zu einem Festakt anlässlich seines 150. Geburtstags lud das Kollegium dieser Waldorfschule ein. Begonnen hatte die Geburtstagsfeier bereits am Morgen mit einem Festakt für alle Schülerinnen und Schüler. Den Abend eröffnete der schwungvolle erste Satz der Frühlingssonate für Violine und Klavier von Beethoven, vorgetragen vom Duo Sophie Amrei. Klassenlehrerin Olivia Girard begrüßte alle Gäste und kündigte die Grußwortrednerinnen und -redner an: Kerstin Niendorf vom Stuttgarter Schulverwaltungsamt, Nana Göbel von den Freunden der Erziehungskunst, Hans-Georg Hutzel vom Bund der Freien Waldorfschulen und, mit ganz besonderer Freude, die Urenkelin von Emil Molt, Deirdre Murphy, die aus Irland angereist war und deren Worte von ganz besonderer Herzlichkeit und Wärme geprägt waren. Das Lebensbild von Emil Molt, das in Facetten durch alle Beiträge durchleuchtete, zeichnete ausführlicher Clara Behrens, langjährige Lehrerin an der Waldorfschule auf der Uhlandshöhe:

von Barbara Scheffler | 04/27/2026
Emil Molt Festakt_Freie Waldorfschule Uhlandshöhe

Ein Menschenleben, das von vielen Entbehrungen und Überwindungen geprägt war, entstand vor dem inneren Auge. Früh verlor Emil Molt seine Eltern, er wuchs bei einem Onkel auf, der ihn in die wirtschaftlichen und Führungsfragen eines Kolonialwarenhandels einführte. Bei ihm erhielt Emil Molt eine solide Ausbildung, die ihn später zu dem erfolgreichen und klugen Unternehmer der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik werden ließ. Während des Ersten Weltkriegs gelang ihm durch geschickte Umleitung des Tabakeinkaufs in die Schweiz, genug Ware für die letzten Kriegsjahre zu haben. Den dadurch erwirtschafteten Gewinn stellte Emil Molt Rudolf Steiner für den Erwerb einer Villa auf der Stuttgarter Uhlandshöhe für die Gründung der ersten fünf Klassen im Jahr 1919 zur Verfügung. Viele Grußworte wiesen darauf hin, dass dieser begabte Unternehmer eine starke Frau zur Seite hatte. Dem durch die Insolvenz der Kommenden Tag AG ausgelösten Verkauf der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik begegneten Emil und Berta Molt mit innerer Größe. Nana Göbel berichtete von der besonderen Kraft dieser beiden Menschen, erlittene Kränkungen verzeihen zu können.

Bereichert wurden die Grußworte durch kreative und berührende Videokurzbeiträge von einigen Waldorfschulen aus der ganzen Welt. Den Abschluss bildeten zwei Eurythmiedarbietungen von Schülerinnen und Schülern der zwölften Klassen der Waldorfschule Uhlandshöhe. Auch der Humor kam nicht zu kurz, als plötzlich viele als Zigaretten verkleidete Schülerinnen und Schüler zum Gedicht wo zwo von Friedhelm Kändler nach Musik im Seitgalopp über die Bühne sprangen, eingehüllt in gewaltige Qualmwolken. Nach der Pause mit einem köstlichen Imbiss unterhielten sich Christoph Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung des Drogeriemarkts dm, und Peter Augustin, Geschäftsführender Vorstand der Software AG Stiftung. Es moderierte Meri Uhlig, Leiterin des Büros für Integration der Stadt Karlsruhe und Waldorfmutter. Alle drei Sprechenden beeindruckten durch ihre offenen, authentischen Beiträge zu aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Themen. 

Zum Abschluss seien zwei für Emil Molt charakteristische Haltungen erwähnt, die die gesamte Feier durchzogen: Diese Persönlichkeit muss eine wohlwollende Wärme, wie die Urenkelin Deirdre Murphy sie in ihrem Beitrag anschaulich machte, ausgestrahlt, ja gelebt haben, verbunden mit demütiger Dankbarkeit gegenüber der geistigen Welt. Emil Molt war geistiger Schüler von Rudolf Steiner. Einmal sagte Rudolf Steiner, er danke den guten Mächten der geistigen Welt, dass sie Emil Molt den Gedanken eingegeben hätten, eine Waldorfschule zu gründen. Emil Molt war also offen für Eingebungen aus der geistigen Welt. Eine weitere biografische Begebenheit belegt dies: Emil Molt selber hat in einem entscheidenden Augenblick Anfang der 1930er-Jahre, als er von den Nationalsozialisten gedrängt wurde, sein Vorstandsamt in der Schule aufzugeben, gesagt, dass er sich von der geistigen Welt eingesetzt erlebe und auf dem richtigen Posten sei. Zwei Jahre nach seinem Tod wurden die Waldorfschulen verboten. Insbesondere zwei Redende wiesen auf diese geistige Standhaftigkeit Emils Molts hin. Nicht zuletzt ihr ist es zu verdanken, dass die Waldorfbewegung zu einer Institution mit zurzeit fast 1300 Schulen weltweit geworden ist. Olivia Girard und dem Organisationsteam sei ein ganz herzlicher Dank ausgesprochen für ihre Initiative.

 

Barbara Scheffler

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