Interview mit Vlad Popa, Landesvertreter der Anthroposophischen Gesellschaft in Rumänien | Februar 2026
Im Rahmen eines dreitägigen Seminars zum Thema „Phänomenologische Astronomie“ der mathematisch-astronomischen Sektion am Goetheanum führte Gerhard Stocker, Vorstand und Generalsekretär der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland, mit Vlad Popa zur Situation der Anthroposophischen Gesellschaft in Rumänien das folgende Interview.
Gerhard Stocker: Wie steht es um die Anthroposophische Gesellschaft in Rumänien? Was, denkst Du, sind die wichtigsten Dinge und nächsten Schritte, um sie weiterzuentwickeln?
Vlad Popa: Also, in den letzten zehn Jahren haben wir versucht, unsere Gesellschaft in gewisser Weise neu zu gestalten, weil sie sich zwar in verschiedenen Zweigen auf normale Weise entwickelt hat, aber wir waren uns selbst nicht sehr als eine zusammenhängende Gesellschaft bewusst.
GS: Wie viele Zweige gibt es hier ungefähr?
VP: Mehr als zehn. Wir haben 350 Mitglieder. Vor wenigen Jahren waren es noch 250.
Wir haben alle Zweige besucht und verschiedene Projekte begonnen, nach Eigenart des jeweiligen Zweiges. Aber dann haben wir darüber nachgedacht, wie wir zu einem Bewusstsein als zusammenhängende rumänische Gesellschaft kommen können. Also begannen wir, während der Jahresfeste Symposien in verschiedenen Teilen des Landes zu veranstalten, sodass Menschen aus den Zweigen zusammenkommen, sich begegnen, miteinander sprechen und Beiträge leisten konnten.
Es war ein Projekt, das wir zu Michaeli, dann zu Weihnachten und Ostern, zu Pfingsten und Johanni durchführten, all das in verschiedenen Teilen des Landes. Und es war gut, auf diese Weise zusammenzuarbeiten.
Das Nächste, worüber wir nachgedacht haben, war: Wie können wir uns als Mitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft integrieren? Also begannen wir, Menschen aus anderen Anthroposophischen Gesellschaften einzuladen, Referentinnen und Referenten aus anderen Ländern. Aber wir begannen auch, an Veranstaltungen teilzunehmen, besonders am Goetheanum. Es war gut, dass wir an den Veranstaltungen zum 100-jährigen Bestehen der Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach teilnehmen konnten, mal mit 10 Personen, mal mit 50 Personen.
Dann hatten wir die Idee, dass wir unsere Gesellschaft weiter strukturieren könnten, indem wir Gruppen entwickeln, die mit den Sektionen arbeiten. Denn wir haben eine Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Fast die Hälfte unserer Mitglieder sind Klassenmitglieder. Wir halten Klassenstunden in fünf Städten.
Außerdem organisieren wir zahlreiche Kurse. Dafür laden wir Menschen ein, die eine spezielle Expertise mitbringen.
GS: Wann habt Ihr damit begonnen?
VP: Wir haben das Programm vor drei Jahren begonnen. Aber es brauchte Zeit, bis es sich etablierte. Der erste Kurs wurde durchgeführt von der naturwissenschaftlichen Sektion mit Johannes Wirz. Er brachte seine Kollegen und Kolleginnen mit, und sie gestalteten das Programm gemeinsam. Es waren neun Module, jeweils im Abstand von zwei Monaten, mit unterschiedlichen Spezialisierungen für verschiedene Fachgebiete. Das war für uns ein großer Erfolg. Zum Abschluss kam ein Priester der Christengemeinschaft dazu, eine Person aus dem künstlerischen Bereich und Johannes Wirz als Naturwissenschaftler – um die Zusammenarbeit von Religion, Kunst und Wissenschaft zu zeigen. Das war ein sehr schöner Abschluss. Am Anfang war das Interesse groß – in Rumänien gibt es am Anfang oft viel Begeisterung. Wir waren etwa 70 Personen, aber die weitere Teilnahme hing vom Thema ab. Bei Mineralogie kommen nicht so viele wie bei Biologie, das ist einfach so. Und es waren sehr gute Module mit Vesna Forštnerič Lesjak.
Dann haben wir gesagt: Es ist kein großes Land, aber es ist doch groß genug, dass das Reisen schwierig ist. Also haben wir das Programm auch in Timișoara neu gestartet. Von Anfang an hatten wir die Idee, zwei Orte zu haben – einen in Bukarest für den Südosten und einen in Timișoara für den Nordwesten.
Dann war da Christiane Haid. Ich kenne sie seit 2011, als sie für Holland und Deutschland zuständig war. Sie kennt meine Arbeit als Verleger und Publizist von Büchern. Auch mit ihr haben wir schon begonnen. Der Kurs wird zwei Jahre dauern und elf Module umfassen, mit unterschiedlichen Zugängen zur Kunst. 16 Personen nehmen daran teil. Im zweiten Jahr kommen fünf Module dazu. Das Programm dafür kenne ich noch nicht.
Zu Himmelfahrt veranstalten diese Teilnehmenden als Sektion ihr internationales Symposium, und Christiane Haid hat gesagt, dass sie beschlossen haben, es nicht am Goetheanum zu machen, sondern in Rumänien. Das heißt, wir werden das internationale Symposium hier abschließen. Ich denke, das ist ein sehr gutes Zeichen.
Ja, ich denke, es ist für die Zukunft notwendig, vom Goetheanum aus ins Ausland zu gehen. Die Sektion war letztes Jahr in Wien, davor in Finnland – und jetzt in Rumänien.
Das sind die Projekte, die wir jetzt entwickeln, weil wir sehen, dass es wichtig ist, die michaelischen Kräfte in die Welt zu bringen. Und das können wir nur, indem wir Menschen in Zusammenarbeit mit den Sektionen ausbilden.
GS: Siehst Du genügend Menschen, zum Beispiel in ihren Vierzigern, die in diese Entwicklung einsteigen?
VP: Während oder nach der Coronakrise geschah etwas Seltsames: Einige ältere Menschen begannen wieder zur Gesellschaft zu kommen, und gleichzeitig kamen viele junge Menschen. Es war ein bisschen wie 1919, als junge Menschen nach dem Ersten Weltkrieg zu Rudolf Steiner kamen mit dem Impuls, die Anthroposophie in die Welt zu bringen.
Ich hatte immer diese Frage, als ich das fünfte Evangelium las, was es bedeutet, dass das Bewusstsein der Apostel abnahm. Aber dann habe ich gemerkt, dass etwas Ähnliches während der Coronakrise geschah. Viele unserer Freunde waren nicht mit ihrem ganzen Wesen in der Anthroposophie engagiert. Ihr Bewusstsein für den anthroposophischen Zusammenhang nahm ab, sie zogen sich nach Hause zurück. Aber gleichzeitig kamen sehr wache Menschen. Ich denke, das hat uns geholfen, diese Kurse aufzubauen. Vor allem für sie machen wir das.
Ja, ich denke, es ist sehr wichtig, die Krise in dieser Weise zu betrachten. Es ist nicht nur eine Sichtweise, sondern es ist eine Tatsache, dass Menschen wirklich die Möglichkeit oder die Chance haben, sich zu verändern.
Und was die zukünftigen Projekte betrifft: Wir wollen biodynamisches Gärtnern anbieten. Wir sind überzeugt davon, dass es ein sehr guter Weg sein wird, in die biodynamische Landwirtschaft hineinzukommen. Zuerst über das Gärtnern. Das sollte ein nächstes Projekt sein.
Wir versuchen, Antworten zu finden oder Antworten zu entwickeln auf konkrete Bedürfnisse, auf konkrete Bedürfnisse in den verschiedenen Feldern und beruflichen Bereichen oder innovativen Sektionen.
GS: Zwischen säkularen und esoterischen Tendenzen, wie schätzt Du Eure Lage ein?
VP: Ich denke, das ist eine Frage dessen, was wir wirklich tun und den Menschen anbieten können, denn die Menschen trennen das ein wenig. Manche sind sehr esoterisch. Vielleicht beschäftigen sie sich nur mit innerlichen Dingen, und das manchmal sehr abgetrennt von dem, was wir hier konkret tun. Und die anderen wollen nur das Notwendige tun und nicht viel über esoterische Dinge sprechen.
Wir müssen die Anthroposophie zu den Menschen bringen, und zwar für das, was sie brauchen – nicht für das, was wir denken, dass sie es brauchen. Wir müssen mit ihnen sprechen, offen sein und sehen, was ihre Bedürfnisse sind. Und wir müssen den Mut haben, zur Anthroposophie zu stehen. Nicht zu sagen: Es ist wie Homöopathie oder wie irgendetwas anderes. Nein, wir sagen: Das ist Anthroposophie, das ist Rudolf Steiner, das ist unser Ansatz.
Ich bin auch nicht einverstanden mit sehr geschlossenen esoterischen Gruppen. Ich denke, der Impuls ist derselbe wie bei den Essenern, von denen Rudolf Steiner im fünften Evangelium spricht. Aber ich sehe nicht, dass das ein michaelischer Impuls ist.
Wir wissen, dass es in verschiedenen Epochen verschiedene Erzengel als Zeitgeister gibt – erst war es Gabriel, jetzt ist es Michael. Wir wissen, dass wir in gewisser Weise seine nächsten Mitarbeitenden sind, in unserem Strom, der durch die Sonnenschule, durch die Rosenkreuzer aufgebaut wurde. Aber es gibt auch andere Gruppen von Menschen, die offen sind für Spiritualität, für die rechte Spiritualität der Zeit. In ihnen lebt ebenfalls der Michael-Impuls, auch wenn sie nichts mit Anthroposophie zu tun haben.
Und die Frage ist: Wie können wir Brücken zu solchen Menschen bauen? Zu Menschen, die keine Anthroposophen sind, aber dennoch mit den guten Impulsen Michaels leben, weil er der Zeitgeist ist. Das ist auch etwas, worüber wir nachdenken: Wie können wir das tun? Denn wir sehen: Menschen handeln mit michaelischen Impulsen, obwohl sie nichts mit Anthroposophie zu tun haben. Aber es sind Impulse, die für diese Zeit richtig sind.
GS: Lieber Vlad, vielen Dank für dieses Gespräch!