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Anthroposophie im Nationalsozialismus – eine Presseschau

Pünktlich zum 90-jährigen Verbot der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland sind diesen Sommer zwei Publikationen erschienen, die das Verhalten von Anthroposophinnen und Anthroposophen im Nationalismus erforschen. Die Publikationen erhielten unterschiedliche Resonanz. Die Presseschau gibt einen Überblick über die medialen Reaktionen.

von S.Knust, M.Niedermann | 10/14/2025
Altes Gewächshaus im "Kräutergarten" des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau. Foto: S.Knust, 2023

Die Studien

Im August 2025 erschien der zweite Band der Studie „Anthroposophische Medizin, Pharmazie und Heilpädagogik im Nationalsozialismus 1933–1945“ von Peter Selg, Susanne H. Gross und Matthias Mochner, der Tiel: „Anthroposophie und Nationalsozialismus. Weleda und WALA – die anthroposophischen Arzneimittelfirmen“. Die Arbeit wurde von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet, dem u. a. die Medizinhistoriker Prof. Thomas Beddies und Prof. Peter Schmiedebach, beide Universitätsmedizin Charité, Berlin, angehören. Die beiden ersten Bände der Studie untersuchen das sehr unterschiedliche Verhalten anthroposophischer Akteure. Während in Band eins das Verhalten der anthroposophischen Ärzteschaft untersucht wurde, fokussiert sich der zweite Band auf die pharmazeutischen Unternehmen.

Knapp ein Monat später, Anfang September, erschien die Studie der Historikerin Anne Sudrow „Der »Kräutergarten« in Dachau: Geschichte und Nachgeschichte der landwirtschaftlichen Versuchsgüter des KZ Dachau“. Die von der KZ-Gedenkstätte Dachau in Auftrag gegebene Studie untersucht im ersten Band „Heil Kräuter Kulturen. Die SS, die ökologische Landwirtschaft und die Naturheilkunde im KZ Dachau“ den von der SS geführten „Kräutergarten“ in der KZ-eigenen Plantage, wo u. a. Zwangsarbeiter biologisch-dynamische Versuche ausführten. Sudrow hat die schon seit Längerem bestehende Forschung zu Verbindungen zwischen dem NS-Regime und Akteuren aus dem anthroposophischen Umfeld um weitere Aspekte ergänzt – insbesondere was deren Verquickung mit der SS betrifft. Im zweiten Band der Studie „Saat der Gewalt“ wird die Geschichte der KZ-Plantage nach 1945 beschrieben.

Schon im Jahr 2024 haben die Wissenschaftler Jens Ebert, Meggi Pieschel und Susanne zur Nieden im Buch „Die biodynamische Bewegung und Demeter in der NS-Zeit. Akteure, Verbindungen, Haltungen“ die Entwicklung der Demeter-Bewegung in der NS-Zeit thematisiert. Die Studie wurde von Demeter in Auftrag gegeben.

 

Die medialen Reaktionen

Die Studie von Sudrow hat in den letzten Wochen für viel mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Den Auftakt machte der Spiegel, der schon vor der Veröffentlichung von Sudrows Studie über „Die Naziverbindungen der Naturkosmetikfirma Weleda“ berichtete. In den folgenden Tagen wurde der Spiegel-Artikel von mehreren Medien aufgegriffen, u. a. fragte die Bild-Zeitung: „Hatte Weleda in der NS-Zeit enge Verbindungen zur SS?“ und berichtete von einem „Weleda-Skandal“ sowie neuen „Enthüllungen“. Auch der SWR und der Bayerische Rundfunk berichteten mit Fernsehbeiträgen. Die Berichterstattung erreichte sogar den britischen Guardian.

Tina Müller, CEO der Weleda-AG, machte in einem Statement nochmals deutlich: „Wir verurteilen die Gräueltaten des Nationalsozialismus aufs Schärfste. Faschismus, Antisemitismus, Rassismus oder rechtsextremes Gedankengut haben bei uns keinen Platz. ‚Nie wieder‘ ist Ausdruck unserer Haltung.“ Im Statement der Weleda wird auf mehrere Studien und Gutachten hingewiesen, die schon zu diesem Thema erschienen sind. Zusätzlich wird eine weitere umfassende Studie über die Geschichte der Weleda während der NS-Diktatur angekündigt, die im Jahr 2027 fertiggestellt werden soll.

Jens Heisterkamp betont in einem differenzierten Artikel der Zeitschrift Zeitschrift Info3, dass es sich bei Sudrows Studie um eine „rundum seriöse Forschungsarbeit“ handle, die man ernst nehmen solle, da sie an vielem Bekannten anschließe, aber auch neue Aspekte herausarbeite.

Die Gesellschaft Anthroposophischer Ärztinnen und Ärzte in Deutschland (GAÄD) hat ebenfalls mit einer Stellungnahme reagiert. Darin wird deutlich, dass die GAÄD sich für eine „selbstkritische und voll umfängliche Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit“ einsetzt und daher bereits 2016 Peter Selg und sein Team mit einer umfassenden wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte der anthroposophischen Medizin im Nationalsozialismus beauftragt hat. Die intensive Forschung zu dem Thema wurde ausdrücklich begrüßt.

 

Ein erster Eindruck

Es ist gut, wenn die Geschichte der Anthroposophie im Nationalismus seriös und wissenschaftlich erforscht wird. Dadurch entsteht ein sachlicher Boden dafür, die eigene Vergangenheit besser kennenzulernen. Dies ist ein wichtiger Schritt der Übernahme von Verantwortung für die Wunden, die der NS-Terror auch teilweise in den Praxisfeldern der Anthroposophie hinterlassen hat. Die Frage bleibt: Was kann neben detaillierter Aufklärung noch helfen, diese sozial-historischen Verletzungen auf verschiedenen Ebenen langsam zu heilen?

Sebastian Knust  |  AGiD, Kommunikation und Geschäftsleitung
Matthias Niedermann | AGiD, Kommunikation und Geschäftsleitung


Zu den Studien

Peter Selg, Susanne H. Gross, Matthias Mochner: Anthroposophische Medizin, Pharmazie und Heilpädagogik im Nationalsozialismus 1933–1945. Band 1: Anthroposophie und Nationalsozialismus. Die anthroposophische Ärzteschaft. Schwabe Verlag, 2024. Band 2: Anthroposophie und Nationalsozialismus. Weleda und WALA – die anthroposophischen Arzneimittelfirmen. Schwabe Verlag, 2025
BUCH KAUFEN >

Anne Sudrow: Der »Kräutergarten« in Dachau. Geschichte und Nachgeschichte der landwirtschaftlichen Versuchsgüter des KZ Dachau. Buchpaket mit 2 Bänden. Vandenhoeck & Ruprecht Verlage, 2025.
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Jens Ebert, Meggi Pieschel, Susanne zur Nieden: Die biodynamische Bewegung und Demeter in der NS-Zeit. Akteure, Verbindungen, Haltungen. Metropol Verlag, 2024.
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