Sommertage der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland | „Aus welchen Impulsen wollen wir Zukunft gestalten?“
Die Anthroposophische Gesellschaft lädt herzlich ein zu den SOMMERTAGEN ANTHROPOSOPHIE in die Waldorfschule Bochum-Langendreer vom 4. bis 7. Juni 2026. Der Samstag verspricht eine besondere Gestaltung. An diesem Tag öffnen sich das Gelände und die Räume der Schule für ein lebendiges Marktgeschehen, das Einblicke in die Vielfalt anthroposophischer Einrichtungen und Initiativen bietet. Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein abwechslungsreiches Programm aus Begegnung, Information und gemeinschaftlichem Erleben. Neben einem Bauernmarkt mit Produkten umliegender Demeter-Höfe sorgen kulinarische Spezialitäten, kulturelle Beiträge und Angebote für Kinder und Erwachsene für eine einladende Atmosphäre. Workshops und Vertiefungsmöglichkeiten zu Themen wie Pädagogik, Spiritualität, innere Entwicklung oder Goetheanismus laden dazu ein, die Anthroposophie in ihren unterschiedlichen Facetten kennenzulernen. So sollen die Sommertage ein Fest des Zusammenkommens werden – offen für neugieriges Entdecken ebenso wie für das freudige Wiedersehen mit Bekannten und Weggefährten. AGiD.Aktuell hat mit Friedemann Uhl und Katja Schultz aus dem Organisationsteam gesprochen. Das Gespräch führte Olivia Girard.
Olivia Girard: Was sind die Sommertage 2026 und warum braucht es sie gerade jetzt?
Katja Schultz: Ich sehe die Sommertage als ein „Fest des gegenseitigen Wahrnehmens“. Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen sich isoliert oder überfordert fühlen. Wir brauchen diese Räume der Offenheit – und ja, auch der Ratlosigkeit. Rose Ausländer sagt: „Immer sind es die Menschen, du weißt es ... Ihr Herz ist ein kleiner Stern, der die Erde erleuchtet.“ Das ist ein zutiefst anthroposophischer Impuls: Die Erkenntnis, dass wir nicht nur Getriebene sind, sondern einen schöpferischen Kern haben, und das Bewusstsein dessen macht den entscheidenden Unterschied. Dem Alltag eine poetische Gestalt zu verleihen, ist eine Zukunftskraft, die wir gemeinsam aktivieren können.
OG: Das Motto lautet: „Aus welchen Impulsen wollen wir Zukunft gestalten?“ Was verstehen Sie darunter?
Friedemann Uhl: Impulse könne verschiedene Ausgangspunkte haben. Ich kann den Impuls in mir tragen, dass alles bleiben soll, wie es ist, oder den Impuls, etwas in die Welt zu tragen, was sie für ihr Fortkommen braucht. Am spannendsten finde ich die Impulse, die alten oder besser: ewigen Idealen ein neues, zeitgemäßes Gewand geben. Dieses Anliegen verbinden wir mit unserem Motto: wach bleiben, Möglichkeiten entdecken, Zukunft schaffen.
KS: Zukunft ist nichts, was uns einfach zustößt, sondern etwas, an das wir uns gemeinsam herantasten und das wir schrittweise gestalten. Ich verstehe darunter eine sehr aktive, eigenverantwortliche Lebensgestaltung. Anthroposophie hilft uns, das Schicksal nicht als Last, sondern als Arbeitsmaterial zu begreifen. Wir fragen uns: Was fordert das Leben gerade jetzt von mir? Wo liegen meine Aufgaben?
OG: Welche gesellschaftlichen Herausforderungen bewegen Sie bei der Konzeption der Sommertage besonders?
KS: Mich bewegt die Frage: Wie bleiben wir handlungsfähig? Wenn wir lernen, Ereignisse als Ruf zum Handeln zu lesen, verwandelt sich Widerstand in eine Übung. Eine große Herausforderung ist die Vereinzelung; deshalb kommen hier gezielt Menschen aus der Region zusammen. Unser Ziel ist, dass wir nach der Tagung wissen, wo wir Gleichgesinnte finden und wo wir uns konkret anschließen können, und dass wir voneinander wissen. Das stärkt.
FU: Da kann ich gut anschließen, möchte es aber zuspitzen: Wie schaffen wir es, etwas wirklich Geistvolles zu tun und uns in dessen Strom zu stellen? Auch auf die Gefahr hin, dabei zu verbrennen. Ohne eine solche Haltung sehe ich nicht, wie es wirklich gehen soll.
OG: Was erwartet die Besucherinnen und Besucher inhaltlich und atmosphärisch?
FU: Uns geht es darum, eine große Breite an Angeboten zu haben. Wir nutzen die Tatsache, dass Fronleichnam kein bundeseinheitlicher Feiertag ist, zu einem Ablauf in mehreren Schritten. Im ersten Teil geht es um inhaltliche Dichte, im zweiten um die Fülle und die Vielfalt der Menschen, die wir am Samstag beim Markt der Möglichkeiten erwarten, und mit der MV am Sonntag um eine neue Einkehr. Dazu kommt das hochkarätige Kulturprogramm mit dem feinfühligen Beitrag des Lumina-Ensembles zu Jacques Lusseyran und der weittragenden Klangperformance zu Jon Fosse.
KS: Dasselbe mit anderen Worten: Es gibt einen Rhythmus aus Tiefe und Leichtigkeit. Wir starten mit Impulsen von Matthias Wildermuth, Karin Michael und David Martin. In Gesprächs- und Reflexionsräumen, inspiriert von „Art of Hosting“, gehen wir in den echten Austausch. Das ist ein gemeinsamer Weg, der uns innerlich in Bewegung bringt. Es darf sich nach Aufbruch anfühlen. Schließlich folgt die Mitgliederversammlung.
OG: An wen richten sich die Sommertage ? Eher an Mitglieder oder bewusst an eine breitere Öffentlichkeit? Und ist Vorwissen zur Anthroposophie notwendig, um teilnehmen zu können?
KS: Wir öffnen die Türen so weit, wie es irgend geht! Man braucht kein „Anthro-Diplom“. Wer sich für Ökologie, neue Formen des Zusammenlebens, therapeutische Ansätze oder spirituelle Vertiefung interessiert, wird sich wohlfühlen. Dass die Tagung eintrittsfrei ist, ist unser Signal: Jede und jeder ist willkommen. Es geht um den Austausch von Mensch zu Mensch.
FU: Ja, ganz richtig, wir wenden uns an alle, die ein sozial-ökologisches Interesse haben. Und ja, an alle, die eine Offenheit für das Spirituelle haben. Für eine Spiritualität, die sich im Alltäglichen finden lässt.
OG: Welche Impulse sollen die Teilnehmenden idealerweise mit in ihren Alltag nehmen, wenn die Tagung gut gelungen ist? Was wünschen Sie sich persönlich für die Wirkung der Sommertage 2026?
FU: Ich erhoffe mir, dass die Menschen mit einer Lebensermutigung gehen und Mut finden trotz all der gefühlten Verrücktheiten, die unsere Zeit zu bieten hat, und dass sie Zukunftsperspektiven haben aufnehmen können, die weitertragen.
KS: Ich wünsche mir, dass die Menschen mit einer inneren Beweglichkeit nach Hause fahren. Dass sie Menschen gefunden haben, mit denen sie gemeinsam weitergehen können. Mein Wunsch ist, dass echte, belastbare Kontakte entstehen. Wir sind nicht Opfer der Zeit, sondern Mitgestaltende der Zukunft – und das geht gemeinsam viel besser.