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Mediator für soziale und kulturell wirksame Prozesse

von Gerhard Stocker | 02/18/2026

Bevor Michael Generalsekretär der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland wurde, war er zuständig und verantwortlich für das Arbeitszentrum der AGiD in Nordrhein-Westfalen. Und dort war er, das kann man wirklich so sagen, die maßgebende integrative Figur, der unbestrittene Mittelpunkt. Ich gehörte dem sogenannten Kollegium an. Er hatte dieses Gremium zusammengerufen, das so zusammengesetzt sein sollte, dass alle Lebens- und Berufsfelder mit anthroposophischem Hintergrund und entsprechender Zielsetzung darin vertreten waren.

Er versammelte also ganz bewusst Persönlichkeiten aus der Praxis für die Belange der Anthroposophischen Gesellschaft. Diese sollten in einen realen, sozialen Zusammenhang kommen, sodass „soziale Zukunft“ nicht nur gedacht, nicht nur diskutiert, sondern tatsächlich entwickelt und gelebt werden konnte. Das war, so habe ich es erlebt, ein ganz zentrales Motiv seines Wirkens.

Michael verstand sich dabei als jemand, der Akzente setzt, der Impulse gibt und sich zugleich als Mediator für soziale und kulturell wirksame Prozesse engagiert. Ihm war es ein echtes Anliegen, die Belange der Anthroposophischen Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen in Beziehung zu setzen zu den Belangen der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland – und darüber hinaus in seinen Verantwortungsfeldern als Mitglied und schließlich als Generalsekretär des Arbeitskollegiums der AGiD überhaupt zu den Entwicklungsperspektiven einer weltweiten Anthroposophie. 

Er schien mit einer unendlichen Vielzahl von Menschen in Beziehung und im Austausch zu stehen. Das hatte etwas Selbstverständliches, beinahe Organisches. Und es war etwas, das sein ganzes Leben geprägt hat. Durch seine langjährigen Aktivitäten im anthroposophischen Zusammenhang lernte er viele Verantwortungsträger in den verschiedensten Bereichen kennen: in der Finanzwirtschaft, in der Landwirtschaft, im Rechtsleben, im Gesundheitswesen – ganz gleich, um welchen Bereich es sich handelte.

Er beeindruckte durch seine Kontaktfähigkeit, seine Kontaktfreudigkeit und durch sein weites Herz. Er war ein verständnisvoller Zuhörer! Und er war in der Lage, sehr unterschiedliche Standpunkte und Richtungen zusammenzuführen oder wenigsten für sich bestehen zu lassen. Dieser Wesenszug kam, um nur ein Beispiel zu nennen, in seinem Engagement für die Tagungsreihe „Hochschule in Entwicklung“ zum Tragen. „Nie exklusiv, immer inklusiv“ schien sein Lebensmotiv zu sein. 

Um ihn herum entstand eine Atmosphäre der Sympathie. Man fühlte sich wahrgenommen, ernst genommen, aufgenommen. Diese Atmosphäre war nicht oberflächlich, sondern hatte etwas Tiefes und Tragendes. Und zugleich war es keineswegs so, dass er in der Sache unbestimmt oder nachgiebig gewesen wäre. Im Gegenteil: Wenn es um Ziele und Richtungen ging, um die Entwicklung und Durchsetzung von Vorhaben, konnte er sehr entschlossen und ausgesprochen hartnäckig sein.

Er verfügte über ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis und über ein umfassendes Prozessbewusstsein. Das konnte man immer wieder erleben. Unmittelbar nach Tagungen, Sitzungen oder auch großen Veranstaltungen – manchmal quasi über Nacht – verfasste er Berichte, Glossen oder Kommentare. Er war in der Lage, komplexe Vorgänge schnell zu erfassen, zu ordnen und in eine ansprechende Sprache zu bringen. Das war beeindruckend.

Ich möchte an dieser Stelle nicht im Einzelnen seine Verdienste aufzählen oder beschreiben, wo er in der Gesellschaft deutliche Spuren in deren Entwicklung hinterlassen hat. Das ließe sich im Detail ausführen. Aber mir geht es hier darum, das Ganze als eine respektable Lebensleistung zu charakterisieren, als eine Lebensleistung, die vor allem der sozialen Zukunft der Anthroposophischen Gesellschaft gewidmet war. Der Titel „Soziale Zukunft“ des Kongresses 2017 in Bochum war zugleich und im doppelten Sinne Programm. Da standen einerseits die zwingenden Realitäten, die konkreten Notwendigkeiten des Alltags, die organisatorischen und strukturellen Fragen. Und andererseits standen da die weiten Horizonte und hohen Ziele einer anthroposophisch-geistigen Lebensorientierung. Diese beiden Pole hielt er zusammen.

Er war kein Eremit, kein zurückgezogener Mystiker. Er war ein hochwirksamer Zeitgenosse. Einer, der mitten im Leben stand und seinem Motto treu blieb, die praktische Lebensgestaltung in ihren vielen Facetten mit einer ausgewogenen, nicht schwärmerischen, sondern tragfähigen anthroposophischen Spiritualität zu verbinden.

Ich bin persönlich davon überzeugt, dass er mit dieser Aufgabe, mit diesem Ziel weiterhin verbunden bleibt. Dass seine Intention, seine Ausrichtung, sein sozialer Impuls nicht einfach abgeschlossen sind, sondern in einer anderen Weise fortwirken. Und dass wir – in welcher Form auch immer – auf sein Beisein und Mitwirken rechnen dürfen.

Vielen Dank, Michael! 

Gerhard Stocker | geb. 1957, Vorstand und Generalsekretär der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland

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