Michael der Ermöglicher
Ich habe eine Wahrnehmung von der Entwicklung der AGiD seit den 90er-Jahren, als Friedhelm Dörmann Generalsekretär war. Ihm folgten Charlotte Roter und Dieter Pommerening, Nana Göbel und Hartwig Schiller und schließlich Gioia Falk und Michael Schmock. 2023 gab Michael dann seinen Stab an mich weiter.
Für mein Erleben konnte Michael mit seinen Beharrungskräften für das Unkonventionelle in den Jahren seines Wirkens einen echten Paradigmenwechsel in der AGiD vollziehen. Das wurde von vielen sehr geschätzt und brachte manches in Bewegung, vielleicht aber wurde es in der weiten Mitgliedschaft nicht so ausreichend wie von ihm erhofft bemerkt. Michael lebte in seiner Verantwortung für die Entwicklung der AGiD aus einem starken Umkreisbewusstsein. Sein Prinzip war es, mit Sogkräften zu wirken. Er verstand die AGiD vor allem als Plattform anthroposophischen Lebens, das es zu vermehren galt, und seine Rolle als die des Ermöglichers. Er hatte ein großes Herz für Menschen, die zusammenarbeiten wollen, und orientierte sich immer wieder an dem Machbaren. Mitunter konnte er auch zu dessen Gunsten manches ausblenden. Und vor allem konnte er eines: auf junge Menschen setzen, ihnen angemessen das Gefühl der Bedeutsamkeit vermitteln und ihnen im besten Sinne ihren Beitrag abverlangen. Die sozialen Fußabdrücke, die er in der AGiD hinterlassen hat, sind groß und man kann gut den prägnanten Satz von Joseph Beuys „Ich ernähre mich durch Kraftvergeudung“ auf ihn anwenden. Denn so war er, der Michael.
Mit seinem Abschied aus der AGiD hat er aber auch, so scheint mir, für sich selbst noch einen Paradigmenwechsel vollziehen können. Er hat sein Leben gänzlich neu gegriffen. Hat sich einen Rückzugsort in Griechenland geschaffen, wo er arbeitsreich in völlig neuer Art leben konnte. Ein Buch hat er zu schreiben begonnen und ich hätte es ihm und uns sehr gewünscht, dass er es noch hätte fertigstellen können. Er war noch voller Tatendrang für Neuanfänge und hatte Pläne. Die jedoch werden sich nun in anderen Gebieten in anderer Weise ausgestalten. Mit seinem Erdenabschied wächst mir nun eine neue Verbindung zu Michael in anderer Qualität, die es zu tragen gilt. Die Wachheit für diesen Lebensstrom zu halten ist nicht ganz leicht. Doch schließlich ist es die Liebekraft, die als Band der Treue die Brücke für das gemeinsame Werk zu den Verstorbenen spannt.
Unsere Liebe folge euch, Seelen,
Die da leben im Geist,
Die ihr Seelenleben schauen,
Schauend sich als Geist erkennen.
Und was euch im Seelenlande
Denkend als euer Selbst erscheint,
Nehme hin unsere Liebe,
Auf das wir in euch uns fühlen,
Ihr in unseren Seelen findet,
Was mit euch in Treue lebt.
Rudolf Steiner
Monika Elbert | geb. 1969, Vorstand und Generalsekretärin der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland