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Anthropsophie verantworten – Wie geht das?

Arbeitstreffen mit jungen Menschen

von Matthias Niedermann | 16.01.2021

Textarbeit – insbesondere mit Rudolf Steiners Vorträgen – ist eine schwere Kost! Doch nur so lange, bis der Gedanke, der in den Druckbuchstaben eingemeißelt ist, sich im eigenen Denken zeigt und seine erste Kontur gewinnt. Wenn dieser im Gespräch bearbeitet wird, zu glühen beginnt, seine eigene Wärme, Dynamik und Lebendigkeit entfaltet, tritt der Text, die Schrift und das Gelesene in den Hintergrund und setzt den Blick frei – für die Menschen.

Unser Text für das Treffen vom 4. und 5. Dezember 2020 war: "Die Erkenntnis-Aufgabe der akademischen Jugend" (in GA 217a). Wie sah diese Aufgabe für die junge Menschen aus, die Rudolf Steiner vor sich hatte, und wie zeigt sie sich heute?

Was geschieht, wenn Menschen nur darin geschult werden, ihre Kognition zu entwickeln, das Seelische aber, das Gefühl und der Wille, sich nicht entwickeln können? Wozu die daraus resultierende "seelische Beklemmung" oder die "seelische Atemnot" führt, erleben wir heute täglich. Werden diese Empfindungen verleugnet, abstrahiert oder gar verdrängt, entsteht daraus kein individueller Wille, sich mit den Wurzelfragen des Lebens auseinanderzusetzen. Der Wille bleibt bei sich, es entsteht keine persönliche Suche, die zu neuen Erkenntnissen führen kann. Denn die umgebende Welt voller Farben, Töne und Dinge, sie wartet darauf, entdeckt zu werden – individuell, existenziell und als wahr anerkannt!

Im zweiten Teil unseres Gesprächs ging es um individuelle Erfahrungen, die mit einer Suche beginnen, zu einer Initiative oder einem Projekt führen, um mit einem neuen Initial – einem Ausgangspunkt – zu enden. So etwa berichtete Justyna Wojciechowska von der Entstehung und der Arbeitsweise der Gruppe "b-the-change" auf dem „campusA Stuttgart“, wo sie und ihre 12 Freude nicht nur Projekte, sondern einen gemeinsamen geistigen Bezugspunkt suchen und entwickeln. Mischka Kaiser erzählte vom Waldorf-Festival 2019: Wie alles mit einem von Pferden gezogenen Planwagen begann, sich dieses hereinziehende Bild mit der Lebensrealität Schloss Hamborns verband, helfende Menschen dazukamen und damit das Waldorf-Festival und seine über 1.000 Menschen beschenkt wurde.

Die Textarbeit und die Initiativkraft sind polare Zugänge, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken. Im Zwischenfeld entsteht die Fähigkeit und der Wille zur Verantwortung. Seit Sommer 2020 treffen wir uns regelmäßig. Ausgangsfragen sind bisher: Was entsteht, wenn junge Menschen für die Weiterentwicklung der Anthroposophie Verantwortung übernehmen? Entsteht etwas Neues?

Noch stehen wir am Anfang, die Richtung und die Arbeitsform sind noch nicht ganz klar. Wir bleiben aber am Ball und weitere Treffen sind in Vorbereitung.

Matthias Niedermann | AGiD, Assistenz des Vorstands

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