Suche MitgliedschaftSpenden

Volltextsuche

 
  • AGiD.Aktuell
    • Alle Beiträge
    • Aus den Zeitschriften
    • Forschungsförderung
    • Junge Anthroposophie
  • Anthroposophie
    • Was ist Anthroposophie?
    • Bewegung
    • Goetheanum
    • Rudolf Steiner
    • Anthroposophie im Gespräch
    • Zeitschriften & Medien
    • Veranstaltungen
  • Gesellschaft
    • Mitglied werden
    • Junge Anthroposophie
    • Fördermitgliedschaft
    • Aufgaben und Ziele
    • Fähigkeitsbildung
    • Forschungsförderung
    • Zusammenarbeit
    • Menschen und Organisation
    • Finanzen und Spenden
  • Kontakt
    • Geschäftsstelle
    • Stellenangebote
    • Arbeitszentren
    • Zweige
    • Netzwerk
< nächster Eintrag
vorheriger Eintrag >

„Der Wolkendurchleuchter“: Eine Freiburger Gruppe zeigt Friedrich Doldingers Widerstandsdrama im Goetheanum

Deutschland in den 1930er-Jahren – Menschen in der Krise: Eine Frau, die ihren Arbeitsplatz an einen „Automaten“ verloren hat, sucht neue Wege. Ein Staatsanwalt wird an seiner Tätigkeit für einen immer übergriffiger werdenden Staat psychisch krank und flüchtet sich in ein Sanatorium. Ein heilpädagogischer Lehrer bereitet die Mitglieder seiner „Michaelsbewegung“ auf schwere Zeiten vor, während ein seelenpflegebedürftiges Mädchen das Böse sieht und fühlt. Aufgebrachte Arbeitslose, im Boxverein organisiert, stürmen ein Lokal und verprügeln Menschen bei der Heileurythmie. Unruhige Menschenmassen begeistern sich für eine Technik-Show: Lichtprojektion auf Wolken, von unten.

von Julia Selg | 18.11.2024
Eine Freiburger Gruppe zeigt Friedrich Doldingers Widerstandsdrama im Goetheanum

Helfrid Foron hat mit seiner Freiburger Spielergruppe ein herausforderndes Stück neu belebt, das zwar neunzig Jahre lang vergessen war, aber in vielem noch immer ins Schwarze trifft. Dieses ungewöhnliche Bühnenstück erinnert mit seinem Collagenstil und der Atmosphäre beunruhigter Vorahnung an den Expressionismus; sein Autor war selbst eine Ausnahme: Friedrich Doldinger, der 25-jährig einer der Gründungspriester der Christengemeinschaft geworden war. Doldinger war ein vielseitig begabter und extrem kreativer Mensch, er liebte die Improvisation und das Provisorium. Der Priester und Seelsorger seiner Freiburger Gemeinde betätigte sich zugleich als Dichter, Schriftsteller, Komponist und Maler. Seine Zeitgenossen schätzten Doldinger als freien Geist – er konnte Erstarrtes in Bewegung bringen. Andere empfanden seinen unkonventionellen, eigenwilligen Gestus mitunter als Zumutung.

Das Theaterstück „Der Wolkendurchleuchter“ schrieb Doldinger 1930, in der Endphase der Weimarer Republik mit ihren sozialen und ideologischen Zuspitzungen. Das Stück entstand für eine überregionale Sommertagung der Christengemeinschaft, die der 33-jährige Doldinger in Freiburg organisierte. Ein konkretes Vorbild für einen der Handlungsorte hatte Doldinger mit dem Sanatorium Wiesneck in Buchenbach bei Freiburg vor Augen. Mit dem anthroposophischen Psychiater Friedrich Husemann und dessen Sanatorium war Doldinger über Jahre als Seelsorger verbunden, Husemann spiegelt sich in der Figur des „Arztes“. In die Figur des heilpädagogischen „Lehrers“ hat Doldinger sicher Aspekte seines eigenen großen Lehrers Rudolf Steiner aufgenommen – ein wenig aber könnte der Autor sich auch selber in dieser Gestalt gesehen haben. Auch Züge des historischen Husemann könnten auf den „Lehrer“ eines esoterischen, inneren Widerstands übergegangen sein – so interpretiert es jedenfalls Forons Inszenierung. Letztlich bleiben alle Figuren des Stücks überpersönlich – keine von ihnen trägt einen richtigen Eigennamen.

Die Züge der damaligen Gegenwart porträtiert Doldinger so humorvoll wie scharf. Er nimmt in fast erschreckend zutreffender Weise vieles vorweg, was erst in den folgenden Jahren des Nationalsozialismus Wirklichkeit werden sollte – von perfiden Strategien der Macht und des Bösen über die tragische Dynamik des Mitläufertums bis zur Idee der Tötung „lebensunwerten Lebens“ durch Giftgas, die tatsächlich im Stück vorkommt. Auch hier ist es Doldinger gelungen, über die konkrete historische Situation hinauszugreifen und tiefer liegende Tendenzen zu erfassen.

Der titelgebende „Wolkendurchleuchter“ tritt im Stück wirklich auf, auch wenn Doldinger keine Regieangaben zu seiner Erscheinung machte. Foron entschied sich gegen eine äußerliche Sichtbarkeit, kein Deus ex Machina erscheint hier zur Rettung; und auch Michael, der „Wächter des Wolkentores“, wird nicht sichtbar gemacht. In einem Stück im Stück – der kranke Staatsanwalt hat es zu seiner Selbstheilung verfasst – ist es „der Mensch“, der sich einem „Wolkentribunal“, einem inneren Gerichtsverfahren, zu stellen hat. „Wenn alles zusammenbricht, ist das Ich des Menschen das Einzige, was noch besteht“, formuliert an anderer Stelle der „Lehrer“. Sein nicht korrumpierbares Festhalten am inneren Aufrechtsein bezahlt er schließlich mit dem Leben.

Eine Ausnahme war Friedrich Doldinger auch in seinem Sprachgebrauch. Er hat nicht nur politisch klar gesehen, was im Kommen war, sondern auch darauf verzichtet, die Dinge mit Vokabeln der politischen Oberfläche zu beschreiben, die selber Teil des manipulativen Spiels waren und sind. Keine „Nationalsozialisten“ sind erwähnt, nicht einmal die Begriffe „rechts“ und „links“ werden verwendet. Der Blick geht auf den Kern der Sache – und das macht dieses Stück so durchscheinend auch für heutige Verhältnisse.

Doldinger hat es sich auch nicht nehmen lassen, in der Christengemeinschaft und in der Anthroposophischen Gesellschaft zu Hause zu sein – und in Letzterer mit beiden damaligen Seiten in gutem Kontakt zu stehen, mit Albert Steffen ebenso wie mit Ita Wegman. „Ehrlich ist der Mensch, der sich der unerhörten Spannung zwischen seiner niederen Wesenheit und seinem hohen Ich bewusst wird, sie erträgt und unablässig danach ringt, so lange nach der Katastrophe immer wieder aufzustehen, bis das Aufstehen einmal ein endgültiges ist“, lässt er den „Lehrer“ im Stück sagen.

"Am Sonntag, 23. Februar 2025, um 15:00, wird Doldingers „Wolkendurchleuchter“ vom Colmarer Regisseur Helfrid Foron und seiner engagierten Laientruppe aus dem Freiburger Raum auf die Bühne des Grundsteinsaals im Goetheanum gebracht, unterstützt von Studierenden des Eurythmeums in Aesch. Am historischen Ort des Geschehens, in der Friedrich-Husemann-Klinik in Buchenbach bei Freiburg, kann das Stück am Sonntag, 16. Februar 2025, um 15:00 Uhr in einer öffentlichen Generalprobe erlebt werden."

Julia Selg

< nächster Eintrag
vorheriger Eintrag >

Aktuelle Beiträge

12.08.25 | M. Niedermann, S. Knust

Assistenz der Geschäftsleitung gesucht!

Die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland sucht zum 1. Dezember 2025 für die Geschäftsstelle in Stuttgart, eine: Assistenz der…

23.07.25 | S. Padberg | O. Girard

Im Gespräch mit Stefan Padberg, Geschäftsführer des Instituts für soziale Gegenwartsfragen, Stuttgart

Das Institut für soziale Gegenwartsfragen, Stuttgart wurde in der Zeit…

23.07.25 | U. Wendt | S. Knust

Interview mit Ulrike Wendt zum Thema Bildekräfteforschung

Bildekräfteforschung ist mit ca. 25 Jahren eine vergleichsweise junge Disziplin im Bereich der anthroposophisch…

23.07.25 | S. Seeberger | O. Girard

Mitgliedertagung und Mitgliederversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland – Mitte kultivieren – Umkreis bewegen:

Unter dem Leitmotiv „Mitte kultivieren –…

23.07.25 | Christine Rüter

Einige Erlebnisse auf dem Schlossplatz in Stuttgart

Anlässlich des 100. Todestages von Rudolf Steiner fand auf dem Schlossplatz in Stuttgart eine große Veranstaltung stat. In…

23.07.25 | Falko Mattmüller

Hügel unlasiert - Eindrücke von der bildungsART 2025

Bereits zum 11. Mal fand im vergangenen Februar die bildungsART, die Jahrestagung des campusA Stuttgart, statt. Unter dem…

23.07.25 | Fleur Becker

„Die Entwicklung einer neuen gesunden Mitte und die Suche nach Kraftquellen“

JAN-Treffen vom 30.05. bis 01.06.2025 mit Dr. med. Karin Michael, Fachärztin für Kinder- und…

23.07.25 | A. Wolf | O. Girard

Anton Wolf ‒ Kurz-Interview I Stiftung zur Forschungsförderung

Olivia Girard: Welches Thema haben Sie gewählt und warum haben gerade dieses? Was interessiert Sie daran? Anton…

Weitere News

Zur Uhlandshöhe 10  /  70188 Stuttgart
Telefon  +49 (0)711 / 164 31 -21
E-Mail  infonoSpam@agid.de

 

Newsletter
Youtube
Linked-In

Kontakt
Spenden
Mitglied werden

© ANTHROPOSOPHISCHE GESELLSCHAFT IN DEUTSCHLAND

ImpressumDatenschutz