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Die Wüste urbar machen!

Ihr Antrittsbesuch in Ägypten: Außenministerin Baerbock trifft auch Helmy Abouleish von SEKEM, eine ägyptische Initiative, die seit vierzig Jahren die Wüste Ägyptens urbar macht und dabei Ökologie mit fairer Wirtschaft, sozialer Gerechtigkeit und Bildung verbindet.

von Matthias Niedermann | 20.02.2022
Mitarbeiterin auf der SEKEM-Farm | Foto: Sekem

Am Anfang stand eine Vision: Die Wüste zu begrünen, Menschen sinnvolle Arbeit zu geben, Ökonomie und Ökologie zu versöhnen und Frieden zu schaffen. Eine Idee, die der gebürtige Ägypter Ibrahim Abouleish schon 1956 entwickelte, als er nach Graz auswanderte, um Chemie und Medizin zu studieren. Hier beschäftigte sich der Muslim auch mit west- und östlicher Philosophie, Kunst und Kultur ebenso wie mit der Anthroposophie. Von all dem inspiriert, entwickelte er die SEKEM-Vision: eine Zukunft, in der jeder Mensch sein individuelles Potential entfalten kann, in der die Menschheit in sozialen Formen lebt, die die Würde des Einzelnen respektiert; und in der alle wirtschaftlichen Aktivitäten im Einklang mit ökologischen und ethischen Prinzipien stehen.

Auch heute noch entwickeln sich die Unternehmen und landwirtschaftlichen Betriebe in SEKEM auf Grundlage dieser unterschiedlichen Inspirationsquellen weiter. Und zwar mit solchem Erfolg, dass die SEKEM-Idee einer fairen, sozial gerechten und ökologischen Produktion und Lebensweise mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Bei komplizierten Projekten wie „greening the desert“ greifen die SEKEM-Macher auf unkonventionelle Ideen zurück, um aus Wüstenstaub fruchtbares Land zu entwickeln. „Wir können wissenschaftlich belegen, dass die Demeter-Landwirtschaft die beste Methode ist, die Wüste nachhaltig zu begrünen “, sagt Helmy Abouleish, der Sohn des Gründers. „Sie bietet außerdem beste Voraussetzungen, um den Klimawandel zu bekämpfen, weil sie CO2 im Boden bindet, anstatt es auszustoßen, wie es durch die konventionelle Praxis stattfindet. Wenn wir alles Ackerland in Ägypten bio-dynamisch bewirtschaften würden, könnten wir bereits einen Großteil des CO2-Ausstoßes des Landes kompensieren!“

Von dieser Praxis berichtete Abouleish auch der deutschen Außenministerin. SEKEM entwickelt aktuell ein Modell, mit dem Demeter-Bauern adäquat für ihren Verdienst in Bezug auf die Bindung von CO2 entlohnt werden.

Die Grundlage der bio-dynamische Agrikultur ist die anthroposophische Idee, dass das kooperative Zusammenwirken von Mensch, Tier, Pflanzen und Boden eine gute Landwirtschaft sowie eine gesunde Ernährung hervorbringt.

SEKEM bietet mittlerweile auch inklusive Bildung an, mit vielfältigen Angeboten bis hin zu einer eigenen Universität, integrativ-medizinischen Stationen sowie einen Forschungsschwerpunkt in der Landwirtschaft. Es zeigt: Synergien zwischen Ost und West, Inspirationen aus dem Islam ebenso wie aus der Anthroposophie können sich gegenseitig ergänzen. Hier gelingt die Begegnung der Kulturen in gesellschaftlichem Leben, in Bildung, Medizin, Landwirtschaft und Wirtschaft.

„Niemand hätte sich vor 45 Jahren vorstellen können, dass SEKEM zu einem weltweiten Vorbild für ökologisch nachhaltige Wirtschaft und zudem eine sozial-gerechte Gemeinschaft werden könnte“ sagt SEKEM-Geschäftsführer Helmy Abouleish. Er fügt an: „Nun arbeiten wir daran, dass unsere Erfahrungen im ganzen Land umgesetzt werden können!“

Auch davon berichtete Helmy Abouleish der Grünen-Ministerin Annalena Bearbock, die eine nachhaltige Außenpolitik betreiben will. Ihr Interesse an SEKEMs Ansatz insbesondere dem Potenzial der biologisch-dynamischen Landwirtschaft im Hinblick auf den Klimaschutz äußerte sich auch in ihrer Bereitschaft SEKEM darin zu unterstützen ein Modell zu verbreiten, dass Bio-Bauern für die Bindung von CO2 entlohnt. Ein nächstes Treffen könnte bereits im November 2022 während der internationalen UN-Klimakonferenz, COP 27, stattfinden, die im ägyptischen Sharm El-Sheikh abgehalten wird.

Für die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland e.V.

Matthias Niedermann

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