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Die Suche nach weiblichen Qualitäten

Aus der Arbeit des Frauenrats

von Barbara Messmer | 02/12/2020
Foto: Barbara Messmer

2019, im Jubiläumsjahr, trat die Waldorfbewegung an vielen Orten einfallsreich in der Öffentlichkeit auf. Dabei wurde anscheinend die Gendersprache bewusst und erste Schritte erfolgten zum Beispiel bei der Mitgliederversammlung des Bundes Ende 2019. In dieser Situation regte eine Frauenrätin an, die Strukturen des Bundes der Freien Waldorfschulen in Bezug auf Geschlechterverteilung und -rollen zu betrachten. Sie bekam sofort Resonanz.

Nebenbei kam zum Vorschein, dass es in der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland seit 2013 einen Frauenrat gibt. Zunächst wurden die Frauenrätinnen in die bereits erwähnte Mitgliederversammlung am 16. November in Frankfurt/Main eingeladen und im Plenum (unter großem Beifall) vorgestellt. Dann wollten sich die zwei Frauen und vier Männer des Bundesvorstands mit den Frauenrätinnen über Geschlechterrollen und notwendige Veränderungen beraten. Sechs Rätinnen kamen am 10. Januar 2020 nach Stuttgart in die Sitzung und es entstand ein lebhafter, sachlicher, aber auch persönlich tingierter Austausch. Beim kurzen Rückblick auf die Mitgliederversammlung rückte die Gendersprache ins Zentrum.

Die gezeigten Folien waren zu loben, allerdings hinkte das Sprechen noch etwas hinterher. Eine Rätin machte deutlich, dass im Deutschen theoretisch das generische Maskulinum (für beide Geschlechter) verwendet, praktisch aber sexistisch interpretiert wird. Dieses Problem haben EngländerInnen oder SchwedInnen nicht. Eine andere Rätin hob hervor, dass die Großbuchstaben oder Sternchen mitten im Wort wie Stolpersteine sind. Der Effekt des Aufwachens für das Problem ist wichtig. Ein anderes Thema waren Frauen in Leitungsgremien. Es ist vielerorts zu hören: „Wir finden einfach keine Vorstandsfrauen“. Könnte das nicht heißen, dass in eine falsche Richtung geblickt wird? Dass männliche, gewohnte Qualitäten – im vorbewussten Habitus, wie einer sagte – die Sichtweise bestimmen? Es ginge doch darum, Gelegenheiten zu schaffen, dass Frauen sich mit ihren weiblichen Qualitäten zeigen können oder diese entdeckt und überhaupt als Führungskompetenzen erkannt werden. Zum Beispiel, wenn – wie in Frankfurt - Menschen auf dem Podium erscheinen, die nicht so geschliffen reden können, aber etwas vorhaben. Diese Darlegungen stießen auf großes Verständnis.

dBesonderes Interesse bekundeten die Vorstandsmitglieder an dem Papier „Empfehlungen des Frauenrats“, das 2014 vor den Vorstandswahlen der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland entwickelt und veröffentlicht wurde. Darin werden Qualitäten wie „ermöglichen, andere fördern, sich interessieren“ hervorgehoben. Dieses Papier erhält nun die Findungskommission des Bundes als Anregung für dessen baldige Vorstandswahl (zum Download auf der Homepage des Frauenrats: https://www.arbeitszentrum-ffm.de/der-frauenrat).

Zum Schluss kam noch kurz der Unterschied in der Denkart von Frau und Mann zur Sprache. Es gibt geschlechtsspezifische Weisen, das Denken zu handhaben und auszuüben. Hierzu waren in beiden Gruppen bereits Beobachtungen vorhanden.

Barbara Messmer

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