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Kernideen der Anthroposophie sind kosmopolitisch

Seit den 1990er-Jahren wird der Anthroposophie immer wieder Rassismus unterstellt. Diese Ansicht verfolgt in etwa zwei Argumentationslinien. Die eine greift auf einzelne Passagen in Steiners Werk zurück, in denen sich Steiner nach heutigem Verständnis einer rassistisch-diskriminierenden Sprache bedient.

von Matthias Niedermann | 20.09.2024
Welt. Foto: Pixabay

Die andere setzt an Steiners Evolutionstheorie an, die, so die Argumentation, wegen ihrer Unterscheidung und Bewertung von unterschiedlichen Kulturentwicklungsstufen diskriminierend sei.

Dazu gesellt sich immer wieder ein weiterer Vorwurf: Die Anthroposophie weise von Anfang an eine Nähe zu völkischen, deutsch-nationalen und nationalsozialistischen Ideologien auf. Hier werden drei unterschiedliche Argumentationsstränge bemüht: erstens der gemeinsame historische Kontext, in dem die Anthroposophie und die ausgeprägt rassistische Ariosophie entstanden seien, zweitens das teilweise ambivalente Verhalten von einzelnen Anthroposophen und der anthroposophischen Bewegung während der zwölf Herrschaftsjahre des nationalsozialistischen Regimes und drittens ein teilweise ähnliches Wording, dessen sich neuere rechtsextreme Bewegungen bedienen und mit dem sie eine Übereinstimmung mit der Anthroposophie suggerieren.

In der Vergangenheit wurde von anthroposophischer Seite auf unterschiedliche Art und Weise mit dieser Kritik umgegangen. Es gibt zahlreiche publizistische Auseinandersetzungen und historische Aufarbeitungen der Zeit des Nationalsozialismus. Eine holländische Studie (Hrsg. Ted van Baarda) und das Frankfurter Memorandum bildeten die inhaltliche Grundlage, auf der seit 2008 klare Distanzierungen gegen Rassismus und diskriminierende Ideologien erfolgten.

Die „Sieben Gründe“ sind nun ein anfänglicher Versuch, auch auf den Punkt zu bringen, was an der Anthroposophie integrativ, menschheitlich und nichtdiskriminierend ist. Sie enthalten viele historische Aspekte, weil vieles an der geäußerten Kritik sich ebenfalls auf historische Gegebenheiten fokussiert. Es ist in diesem Sinne ein kleiner Anfang, der gerne weiter aufgegriffen und erweitert werden kann. In einer Zeit, in der gesamtgesellschaftlich gesehen restaurative Bewegungen Wind unter die Flügel bekommen, scheint es wichtig, sich auf eine menschheitliche Ethik und Zugehörigkeit zu besinnen.


Matthias Niedermann  |  Co-Leitung der Geschäftsstelle, Projektentwicklung


Weiterführende Links

  • 7 Gründe: www.anthroposophie-gegen-rassismus.de/blog/sieben-gruende-warum-anthroposophie-und-rechtsextremismus-unvereinbar-sind
  • Frankfurter Memorandum: www.anthroposophie-gegen-rassismus.de/frankfurter-memorandum
  • Anthroposophie gegen Rassismus: www.anthroposophie-gegen-rassismus.de
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