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Sprechen mit einem Haus

Kunstprozess im Haus der Christengemeinschaft Stuttgart Mitte.

von Aliki Kristalli | 14.09.2023
Installation aus gefundenen Objekten im Haus der Christengemeinschaft Stuttgart Mitte

Stuttgart war Ausgangsort für Vieles in der anthroposophischen Bewegung. Auch das erste Haus der Christengemeinschaft wurde zu Beginn des letzten Jahrhunderts in Stuttgart-Mitte gebaut und hat den Aufbau der Christengemeinschaft – Bewegung für religiöse Erneuerung – beherbergt.

In diesem Haus hat sich dieses Jahr über fünf Monate eine Gruppe vorwiegend junger Studierender des campusA Stuttgart um den Künstler Florian Klette versammelt, die mit dem Haus in ein künstlerisches Gespräch gegangen ist: Das Haus betasten, erspüren, wahrnehmen, mit ihm in Berührung kommen. Schnell zeigte sich, dem formreichen Gebäude soll nichts hinzugefügt werden. Vielmehr schien das Kleid vieler fester, gewachsener Formen nach Wandlung zu rufen. Umstellen, wegstellen, abnehmen und lösen, ablösen, abdecken, ent-decken, apo-kalyptein, Apokalypse. Wie finden wir zurück zu dem, was allem als Substanz zugrunde liegt? Wie finden wir immer neu hin zu lebendiger Substanz?

Wir wissen noch nicht, wie sich eine neue zukunftsfähige Form um einen neuen Geist kleiden will, aber die Dinge zu bewegen, brachte Frappierendes hervor, inspirierte zu Umstülpungen, zu neuen bewegten Eindrücken und Ideen. Es öffneten sich reiche Erfahrungen um die Frage, ob moderne Räume, welche ein spirituelles Leben beheimaten, aus diesem heraus immer wieder auf ihre Zeitlichkeit befragt werden wollen und dann selbst „mitteilen“, welche Veränderungen sie brauchen.

Bewegungen dürfen ihre Häuser auf Rollen stellen, sie dürfen ihre Häuser zum Wagen machen oder aus ihnen ausziehen oder neu in sie einziehen. Es braucht freien Atem und den Willen, hineinzugreifen. Dass die Gruppe mit Florian Klettes behutsam koordinierender Begleitung so frei wirken durfte, in wirklich inspirierte Prozesse hineinfand und trotz provokanter Eingriffe von den Menschen in der Gemeinde gelassen wurde, war sehr beeindruckend, sehr impulsierend und zu jeder Erneuerung sehr ermutigend!

Aliki Kristalli | Pfarrerin der Christengemeinschaft, Gemeinde Stuttgart-Mitte

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